Serie Ehrenamt: Viele kleine Glücksmomente

Serie Ehrenamt: Viele kleine Glücksmomente

Nach vier Jahren im Pfarrgemeinderat von St. Maria Königin will sich Julia Barth wieder zur Wahl stellen. Die Motivation ihres ehrenamtlichen Engagements: "Es entstehen Bekanntschaften und Freundschaften, die etwas wert sind".

Großgeworden ist Julia Barth in der evangelischen Kirche Dorp - doch dann begann sie, sich intensiv mit dem Glauben zu beschäftigen, lernte in St. Suitbertus Weeg Pater Willi kennen und stellte irgendwann fest, dass sie sich in der katholischen Kirche wohler fühlt. "Ich bin dann konvertiert", erinnert sich Julia Barth. Sie heiratete und zog schließlich - nach einem kleinen Umweg über Merscheid - in Solingens Süden.

Nun lebt sie auf der Schnittfläche der Gemeinden Weeg und Widdert und ist im ganzen Süden aktiv. "St. Maria Königin ist eine ganz kleine Gemeinde", erzählt die 45-Jährige. "Eigentlich ist sie eine Filialkirche von Kohlsberg." Die katholische Gemeinde Widdert ist sehr familienorientiert, was Julia Barth als Mutter sehr gut gefällt. Als aktive Kirchgängerin hat sie gerne immer wieder geholfen, wenn etwas in der Gemeinde zu tun war. Irgendwann stellte sie sich die Frage: "Will ich mehr ?" Das war vor gut vier Jahren, als gerade Kandidaten für den Pfarrgemeinderat gesucht wurden. "Ich ließ mich aufstellen und wurde auch gewählt."

Nun ist die erste Amtszeit nach vier Jahren um, und Julia Barth wird sich wieder zur Wahl stellen. "Ich fühle mich im Pfarrverband Süd aufgehoben", erklärt sie. Für sie sei es schön, das Gesamtkonzept mit zu gestalten. Überhaupt ist die energiegeladene Frau eine Macherin. "Wenn man nicht bereit ist, anzupacken und etwas zu verändern, hat man kein Recht zu meckern", betont sie. Dabei ist ihr auch wichtig zu zeigen, dass "man nicht alt und rückwärtsgerichtet sein muss, um katholisch zu sein." Auch als mitten im Leben stehender Mensch kann man hier Heimat finden.

Julia Barth ist dafür ein gutes Beispiel. Da sie sich im gesamten Pfarrverband Süd zuhause fühlt, war sie auch im "Café International" auf der Krahenhöhe ehrenamtlich aktiv und hat dort bereichernde Erfahrungen gemacht. "Es war sehr verbindend", erzählt sie. "Das war Ehrenamt, wie es optimal ist." Menschen zwischen 17 und über 80 Jahren hätten mitgearbeitet. "Eine tolle Altersspanne." Einmal im Monat war Julia Barth vor Ort, um für und mit den Flüchtlingen da zu sein. "Man hat ganz direkt mit Menschen zu tun, die die Hilfe brauchen." Die abgelegten Kleider ihrer Tochter hat sie einem Flüchtlingsmädchen weitergegeben. "Ich habe gar nicht damit gerechnet, wie viel Freude es macht, das Mädchen in den Sachen meiner Tochter zu sehen", gibt Julia Barth zu. Man müsse sich nicht aufopfern, aber es sei schön, das zu geben, was man entbehren kann.

"Es macht Spaß mit Menschen zusammenzuarbeiten, die man normalerweise nicht kennengelernt hätte", sagt sie. Ein wichtiger Aspekt der ehrenamtlichen Arbeit. "Es entstehen Bekanntschaften und Freundschaften, die etwas wert sind." Außerdem erlebe man viele kleine Glücksmomente, die andere verpassen.

Inzwischen wurde das "Café International" geschlossen. "Wir haben die Flüchtlingsfamilien in die Selbstständigkeit entlassen", meint Julia Barth und lächelt. Jetzt konzentriert sie sich besonders auf die Belange des Pfarrgemeinderats. "Es sind oft Kleinigkeiten, um die man sich kümmern muss." Das fängt bei den zeitlichen Problemen der Kommunionkinder an, die durch den offenen Ganztag zustande kommen, und geht weiter bei der Frage, wie die Firmung bei Jugendlichen attraktiver werden kann ? In jedem Fall kann Julia Barth aus ganzem Herzen sagen: "Ich engagiere mich, weil es mir Spaß macht. Es ist gut investierte Zeit."

(RP)