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Viele Beschwerden über Elektroroller in Solingen

Vier Monate nach Einführung in Solingen : Viele Beschwerden über Elektro-Roller

Seit knapp vier Monaten können E-Scooter in Solingen gemietet werden. Die Nachfrage ist vorhanden – aber es gibt auch noch Probleme.

E-Scooter, die achtlos ins Gebüsch geworfen werden, Blindenleitsysteme, die von den kleinen Elektro-Flitzern blockiert werden, rücksichtslose Fahrer, die Bürgersteige zweckentfremden, und Jugendliche, die die neuartigen Gefährte eigentlich gar nicht lenken dürfen – knapp vier Monate, nachdem auch in Solingen mehrere Anbieter von E-Rollern an den Start gegangen sind, ist die Liste von Beschwerden über rücksichtslose Fahrer recht lang.

Das jedenfalls wurde nun bei einer Zusammenkunft vor dem Solinger Rathaus deutlich, zu dem die Stadt eingeladen hatte und bei dem am Dienstagmittag unterschiedlich Betroffene über ihre Erfahrungen mit den Elektrogefährten berichten sollten. So schilderten unter anderem Vertreter von Behinderten- und Seniorenbeirat, an welchen Stellen es noch im Alltag hapert. Und auch der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Solingen, Michael Arning, berichtete auf Einladung von Stadtdirektor Hartmut Hoferichter über Probleme mit den kleinen Elektro-Rollern.

Tatsächlich wurden laut Polizei seit Beginn der Kooperation zwischen der Stadt und den drei E-Roller-Vermietern Bird, Lime und TIER Mobility im gesamten Stadtgebiet zwar lediglich zehn Unfälle mit den „Kleinstfahrzeugen“ gezählt. Allerdings gibt es immer wieder Ärger mit Fahrern, die sich nicht an die Regeln halten und zum Beispiel Gehwege benutzen, rote Ampeln ignorieren, angetrunken oder unter Drogen fahren sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (siehe Kasten) an den Lenker lassen.

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„Wir können natürlich nicht überall zu jeder Zeit sein“, sagte Polizei-Vize Arning. Gleichwohl versicherte der stellvertretende Inspektionsleiter, mögliche Fehlentwicklungen im Auge zu behalten. Michael Arning: „Uns sind die Probleme bekannt. Und wenn uns etwas zur Kenntnis kommt, schreiten wir ein.“ Parallel hieß es vonseiten der Polizei aber auch, dass es zum einen keinerlei Unfallschwerpunkte in Solingen gebe und es bei neuen Verkehrsmitteln erfahrungsgemäß eine Zeit dauere, bis sich alles eingespielt habe.

Das sieht man im Rathaus ähnlich. So sprach Stadtdirektor Hoferichter am Mittwoch davon, dass sich die Verwaltung in einem Austausch mit den Anbietern der E-Roller befinde. Dabei, so Hoferichter, seien einige Probleme schon gelöst worden. Beispielsweise sei inzwischen eine technische Lösung eingeführt worden, die das nicht gestattete Abstellen der Roller auf der Korkenziehertrasse verhindern helfen solle. Und auch sonst sei die Verwaltung mit allen Beteiligten in Kontakt, um gegebenenfalls nachzusteuern.

Heike Herrig vom Beirat für Menschen mit Behinderung wiederum betonte, es gehe nicht darum, die Roller aus Prinzip abzulehnen. Wohl aber müssten gerade die Belange von Sehbehinderten berücksichtigt werden, sagte Herrig, derweil Rolf Dieter Feldmann (ebenfalls Behindertenbeirat) die Problemzonen aufzählte. So störten liegen gelassene Roller unter anderem in der Ohligser Heide, rund um St. Clemens, auf der Trasse sowie auf Behindertenparkplätzen. Jürgen Wiegand (Seniorenbeirat) mahnte darum wie Stadtdirektor Hartmut Hoferichter gegenseitige Rücksichtnahme an. Gleichzeitig unterstrich Wiegand die Notwendigkeit, dass die Anbieter mit ihren ihrerseits Apps ihrerseits Lösungen anböten.

Peter Russ (TIER Mobility) und Alexander Falk (Line) versicherten, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. „Wir gehen den Problemen nicht aus dem Weg“, sagte etwa Pater Russ. So würden Erwachsene beim Buchen von Rollern darauf aufmerksam gemacht, dass unter 18-Jährige nicht fahren dürften, betonte Russ, während Alexander Falk darauf verwies, sogenannte No-Parking-Zonen zu programmieren, an denen ein Abstellen der Fahrzeuge nicht möglich. Das Tempo zu drosseln, gehe hingegen aus rechtlichen Gründen nicht.