Fachkräftemangel: Viele Arbeitsplätze bleiben unbesetzt

Fachkräftemangel : Viele Arbeitsplätze bleiben unbesetzt

In fast allen Wirtschaftszweigen klagen Firmen über den Mangel an Fachkräften. Deswegen wurden sogar schon Aufträge abgelehnt.

Die Geschäftslage in der bergischen Industrie hat sich gegenüber der Frühjahrsumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zwar merklich - um 26 Punkte - eingetrübt. Mit einem Lage-Index von plus 33 liegt der Wert aber immer noch deutlich über dem Vorjahresniveau.

Die Industrie ist in Solingen wie im Bergischen insgesamt immer noch ein dominierender Wirtschaftsfaktor. Der Anteil der Industriearbeitsplätze in der Klingenstadt liegt bei knapp 33 Prozent. Ähnlich hoch ist er in Wuppertal, in Remscheid liegt bei rund 44 Prozent. Der Kammerbezirk insgesamt kommt auf einen Anteil von 34,7 Prozent.

Doch neben der Industrie behaupten sich auch andere Wirtschaftszweige. So beispielsweise die Dienstleistungsbranche. Die Unternehmen dieser Branche bewerten ihre Geschäftslage mit einem Indexwert von plus 42 weiterhin sehr positiv. Und die Dienstleister blicken optimistisch in die Zukunft: "Die künftige Geschäftslage soll sich durch steigende Umsätze und Betriebsergebnisse weiter verbessern", teilt die Industrie- und Handelskammer nach ihrer jüngsten Konjunkturumfrage mit.

Aber auch hier ist wie in der Industrie der Fachkräftemangel akut: Vier von fünf Firmen melden einen Mangel an Arbeitskräften, der das Wachstum hemmt. Für den IHK-Präsidenten Thomas Meyer ist das eine unschöne Entwicklung. Er fordert von daher alle Unternehmen auf, selbst auszubilden, zumal sich sonst "der Fachkräftemangel als Wachstumsbremse auswirkt".

Mehr investieren und Personal aufstocken will auch das Hotel- und Gaststättengewerbe. Das bewertet seine Situation als sehr positiv. Bei etwa 90 Prozent der Hotelbetriebe habe sich die Anzahl der Übernachtungen erhöht. Gleichzeitig klagt aber jeder zweite Betrieb in diesem Bereich ebenfalls über einen Mangel an Arbeitskräften - vor allem bei Köchen und im Servicebereich.

Mehr und mehr auf der Sonnenseite der Konjunktur sieht sich nun auch der Einzelhandel. Im Frühjahr hatten die Einzelhändler noch mehrheitlich mit Ertragseinbußen zu kämpfen. Jetzt hat sich die Lage verbessert, der Indexwert erreicht plus 15.

Im Großhandel liegt er bei plus 23. Gegenüber dem Frühjahrswert (plus 71) ist das jedoch ein merklicher Rückgang. Nach Angaben der IHK ist dies darauf zurückzuführen, dass trotz steigender Umsätze die Erträge bei der Hälfte der befragten Unternehmen gesunken sind. Die IHK geht hier aber nur von einer vorübergehenden Phase aus - die Branche ist ansonsten überwiegend sehr optimistisch bei der Entwicklung ihrer künftigen Umsätze und Erträge.

Gut bis befriedigend - Banken und Sparkassen kennen seit Jahren keine schlechte Geschäftslage mehr. 41 Prozent der Befragten finden ihre Lage gut, 59 Prozent befriedigend. Das niedrige Zinsniveau ist für die Kreditwirtschaft gleichwohl eine Herausforderung. Von einer Abkehr der niedrigen Zinsen kann zudem keine Rede sein, Banken und Sparkassen im Bergischen erwarten daher eine unveränderte Geschäftslage in den nächsten Monaten.

Weiter verbessern soll die sich im bergischen Verkehrsgewerbe. Das ist zumindest die Hoffnung der hier tätigen Unternehmen, die momentan überwiegend positiv gestimmt sind. Mittlerweile 43 Prozent der Unternehmen bezeichnet die Geschäftslage als gut, weitere 44 Prozent als befriedigend. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage ist der Geschäftslage-Index um sechs auf plus 30 gestiegen.

Aber auch hier sind Firmen über den Fachkräftemangel äußerst besorgt: Bei 87 Prozent führt der schon zu Einschränkungen des Angebots beziehungsweise der Ablehnung von Aufträgen.

(uwv)
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