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Solingen: Viel Arbeit in der Schleiferei

Solingen : Viel Arbeit in der Schleiferei

Die Schleiferei Wipperkotten geht in Winterpause. Beim Herbstfest konnten sich die Besucher noch einmal das traditionelle Handwerk anschauen. Der Förderverein muss sich jetzt um das Wehr kümmern.

Mit einem Fest bei goldenem Herbstwetter und Schleifen am nassen Stein beendete der Förderverein Schleiferei Wipperkotten am Sonntag die Saison. Nun schließt der Wipperkotten seine Türen bis zum April. "Es wird zu kalt", erklärt Vorsitzender Lutz Peters.

Doch der Verein kann auf einen erfolgreichen Sommer zurückblicken. "Wir sind zufrieden", sagt Peters. Nicht nur mit dem regen Zulauf während der Schleiferfeste, auch mit dem Zustand des Gebäudes. So konnte die vordere Fassade erneuert werden. Ein Fachmann setzte Lehmziegel ein und stellte so die ursprüngliche Bauweise wieder her.

Inzwischen wurde Geld gesammelt, um auch die Südfassade, die dem Wasser zugewandt ist, restaurieren zu können. "Wir haben das Geld zusammen und können den Auftrag erteilen", verrät Lutz Peters. Doch eines bereitet dem Verein noch Sorgen: Nach Beobachtungen des Schleifers Herbert Loos, der bereits seit 40 Jahren im Wipperkotten arbeitet, weicht das Wehr immer mehr flussaufwärts zurück.

Stillstand bei Niedrigwasser

Da das Wehr, das aus der Erbauungszeit des Kottens um 1600 stammt, für ausreichenden Wasserdruck sorgt, um das Wasserrad in Gang zu halten, herrscht Handlungsbedarf. So hat sich Reinhard Schrage vom Förderverein auf die Suche nach Unterlagen und alten Plänen begeben, um die ursprüngliche Lage und Höhe des Wehrs zu ermitteln.

"Die Unterlagen reichen bis ins Jahr 1927 zurück", hat er in Erfahrung gebracht, und ein Ergebnis hat seine Recherche auch schon ergeben: "Die Höhe der Deichkrone wurde nach dem preußischen Wassergesetz errichtet. In den 1950er Jahren wurde sie neu vermessen." Und das in der Maßeinheit "preußische Fuß".

Dabei kam heraus, dass die Höhe des Wehrs bereits um zwei Fuß abwich, was umgerechnet rund 60 Zentimeter ausmacht. In der Zwischenzeit dürfte die Höhe weiter zurückgegangen sein. "Wenn der Wasserstand der Wupper niedrig ist, ist im Kotten kein Arbeiten mehr möglich", warnt Schrage.

Es ist nicht nur das Hochwasser, das das Wehr gefährdet. Viele Kanufahrer lassen sich nicht von dem Verbot abhalten, das Wehr zu befahren, was ein erst vier Wochen altes Foto beweist. "Da lassen sich zwei Kanufahrer übers Wehr rutschen", berichtet Peters. "Ist es ein Freizeitvergnügen wert, die Arbeit eines 400 Jahre alten Denkmals zu gefährden?"

Das Wehr instand zu setzen, wird ein Kraftakt. "Wir müssen uns eine Firma suchen, die das reparieren kann", erklärt Peters. Da werden Feste, Schneidwarenverkauf und Führungen, für die immer wieder Hilfskräfte gesucht werden, für das nötige Kleingeld sorgen müssen.

(sue)