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Solingen/Haan/Erkrath: Verwirrung im Prozess um Steuerbetrug

Solingen/Haan/Erkrath : Verwirrung im Prozess um Steuerbetrug

Sechs Angeklagte, Kartons voller Akten und ein Steuerschaden von rund 50 Millionen Euro: Der Prozess, der Dienstagmorgen vor dem Wuppertaler Landgericht gegen eine Gruppe von Geschäftsleuten begann, denen zur Last gelegt wird, über Jahre den Fiskus betrogen zu haben, hat das Zeug, zu einem wahren Mammutverfahren zu werden. Denn noch ist nicht einmal ansatzweise klar, wer von den Beschuldigten in dem komplexen Fall welche Rolle gespielt hat.

So viel steht einstweilen fest. Die Angeklagten, unter anderem aus Solingen, Erkrath und Haan sowie allesamt aus der KfZ-Branche, kauften zwischen 1999 sowie 2005 über 500 Lastkraftwagen, Anhänger sowie andere Nutzfahrzeuge von Speditionen auf, bei denen die Fahrzeuge steuerlich abgeschrieben waren. Dabei besaßen die Lkw aber durchaus noch erkleckliche Werte.

Der Vorwurf nun: Die Beschuldigten sollen die entsprechenden Preise auch bezahlt, gleichzeitig jedoch Rechnungen mit viel geringeren Beträgen ausgestellt haben. Dem Finanzamt gingen also große Teile der eigentlich fällig werdenden Steuer verloren. Später wurden die Fahrzeuge über ein Geflecht von Scheinfirmen innerhalb der Gruppe auf die gleiche Art unds Weise weiterveräußert - wiede ging der Fiskus leer aus.

Um schließlich aber die inzwischen aufgelaufenen, völlig unterschiedlichen Zahlen in den Büchern wieder in Einklang zu bringen, verrechneten die so genannten "Zwischenabnehmer" zu guter Letzt angeblich fällige Reparaturen, ehe sie Lkw schließlich am freien Markt, jetzt wieder zu ihrem eigentlichen Wert, verkauften.

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Eine Art Kettenbrief mit Lastwagen also! Raus gekommen war der ganze Schmu, als einer Beschuldigten bereits den heißen Atem der Steuerfahndung im Nacken spürte und Selbstanzeige erstattete. Tatsächlich sind die in Rede stehenden Vorwürfe so umfangreich, dass die 6. Große Strafkammer schon heute zusätzliche Termine ankündigte, die weit ins neue Jahr reichen. Das Verfahren gegen einen Mann, der als "Zwischenabnehmer" fungiert hatte, wurde bereits abgetrennt, und auch gegen einen weiteren geständigen Kronzeugen könnte demnächst seperat verhandelt werden.

Gegen zwei Frauen, die wohl nur als "Strohmänner" agierten, soll gegen Zahlung einer geldbuße eingestellt werden. Im Fokus des Gerichts stehen zwei Verwandte der Damen, die das ganze System eingefädelt haben sollen. Sie äußerten sich gestern aber noch nicht zu den Vorwürfen.

(RP)