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Verkehrsclub: Solingens Bahnhöfe besser als ihr Ruf

Kritik an VRR-Stationsbericht : Bahnhöfe sind laut Verkehrsclub besser als ihr Ruf

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert den VRR-Stationsbericht. An den Solinger Bahnhöfen habe sich zuletzt einiges verbessert.

Vor wenigen Tagen erst war es wieder so weit. Zum inzwischen 13. Mal veröffentlichte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) seinen Stationsbericht. Und wie in den Vorjahren schnitten die Bahnhöfe und Bahnhaltepunkte in Solingen erneut schlecht ab. Einzig der Hauptbahnhof in Ohligs erschien den Testern des VRR akzeptabel, während alle übrigen Solinger Stationen in der untersten Kategorie landeten.

Ein Urteil, das der Verkehrsclub Deutschland (VCD) indes nicht nachvollziehen kann. Denn nach Einschätzung des VCD-Regionalverbandes Bergisches Land haben speziell die kleineren Bahnhalte in den zurückliegenden Jahren gerade in Sachen Sauberkeit deutliche Fortschritte gemacht. Darauf hat am Wochenende der Solinger VCD-Sprecher Reiner Nießen hingewiesen.

Gleichzeitig kritisierte Nießen den Kriterienkatalog, mit dem der VRR seine Tester zu den einzelnen Bahnhöfen schickte. „Es ist einfach unverständlich, dass ein so großes Augenmerk auf Graffiti gelegt wird“, sagte der VCD-Mann, für den andere Mängel von weit höherer Bedeutung sind.

 Im VRR-Stationsbericht für 2019 waren einmal mehr Graffiti als Negativpunkte für den Bahnhalt Grünewald aufgeführt. Doch das ist für den Verkehrsclub Deutschland nicht unbedingt der größte Makel.
Im VRR-Stationsbericht für 2019 waren einmal mehr Graffiti als Negativpunkte für den Bahnhalt Grünewald aufgeführt. Doch das ist für den Verkehrsclub Deutschland nicht unbedingt der größte Makel. Foto: Martin Oberpriller

Als Beispiel nannte Nießen unter anderem die bisweilen ausbaufähigen Möglichkeiten, trockenen Fußes auf den nächsten Zug zu warten. „Diesbezüglich existieren am Haltepunkt Grünewald durchaus Defizite“, sagte der Verkehrsclub-Sprecher. Im Großen und Ganzen jedoch sei die kleine Station in unmittelbarer Nähe zum Zwillingswerk längst besser als ihr Ruf und könne mit anderen Stationen sehr wohl mithalten.

Immerhin verfüge der S-Bahn-Halt Grünewald über einen Aufzug, der es auch Gehbehinderten gestatte, den Schienenverkehr zu nutzen, betonte Nießen, der den Bahnhof Mitte gleichermaßen zu schlecht bewertet sieht. Denn dort habe sich in den vergangenen Jahren ebenfalls einiges zum Besseren verändert.

„Das Problem mit den Tauben hat nachgelassen“, konstatierte der VCD-Sprecher, der in diesem Zusammenhang explizit die Stadt Solingen lobte. So habe die Stadt in jenem Teil des Bahnhofs, der in ihrem Zuständigkeitsbereich liege, die Nistmöglichkeiten für die Vögel beseitigt, die daraufhin den Bahnhof zumindest in Teilen verlassen hätten, erläuterte Reiner Nießen. Einen vergleichbaren Schritt erwartet der Verkehrsclub nun jedoch auch von der Deutschen Bahn AG, die ihrerseits am Bahnhof Mitte Eigentümerin von einigen neuralgischen, also für die Tauben interessanten Stellen ist.

Allgemeine Schwachpunkte, die im VRR-Stationsbericht ebenfalls zu wenig Gewicht eingeräumt bekommen, sind des Weiteren die nach Ansicht von Reiner Nießen immer noch zu vielen achtlos weggeworfenen Zigaretten-Kippen sowie Glasscheiben, die oft mutwillig zerstört und dann von der Bahn nicht zeitnah repariert werden.

Tatsächlich, so der VCD-Sprecher am Wochenende, gelte, dass sich die Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs auf der Schiene für den Zustand der Bahnhöfe und Haltepunkte zumindest mitverantwortlich fühlen müssten. Nießen selbst befolgt diesen Grundsatz bereits seit Jahren. So fungiert er als sogenannter Bahnhofspate für den Bahnhof Mitte.

Das bedeutet, dass Reiner Nießen in regelmäßigen Abständen den im Zuge der Regionale 2006 errichteten Bahnhof besucht und nach dem Rechten sieht. Fällt dem Bahnhofspaten dabei etwas Negatives auf, hat er die Telefonnummern von zahlreichen Ansprechpartnern parat, damit zügig für Abhilfe gesorgt werden kann.