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Verkehrsbetriebe Solingen: Umsätze brechen ein

Öffentlicher Nahverkehr in Solingen : Verkehrsbetrieben laufen Fahrgäste weg

Durch die Corona-Krise beklagen die Stadtwerke in den Bussen ein Fahrgast-Minus von 70 Prozent. Damit dürfte das Millionendefizit 2020 weiter steigen. Abo-Kunden können nicht „pausieren“, haben nur ein Sonderkündigungsrecht.

Die aktuelle Corona-Pandemie trifft auch die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Solingen (SWS) mit voller Wucht. So sind die Fahrgastzahlen in den Bussen seit dem Beginn der Krise förmlich eingebrochen – was wiederum zur Folge haben dürfte, dass die Gesamtbilanz der Verkehrssparte bei den Solinger Stadtwerken am Ende des laufenden Geschäftsjahres noch einmal deutlich schlechter ausfallen wird, als zunächst angenommen worden war.

Darauf hat jetzt eine Sprecherin der Verkehrsbetriebe hingewiesen. „Die Zahl der Kunden ist nach unserer Beobachtung um rund 70 Prozent zurückgegangen“, sagte die Sprecherin, die am Freitag darüber hinaus von exorbitant großen Rückgängen im Fahrkartenabsatz berichtete. Beispielsweise seien die Einnahmen bei den Verkäufen von Einzeltickets um etwa 80 Prozent abgesackt, hieß es auf Nachfrage bei den SWS.

Dabei ist das aber noch nicht alles. Denn bei den Dauerkarten wie dem Ticket 2000 gibt es ebenfalls hohe Ausfälle zu verkraften. So nahmen allein für den Monat März 776 Kunden ein seitens der Stadtwerke eingeräumtes Sonderkündigungsrecht in Anspruch und kehrten den Verkehrsbetrieben – zumindest zeitweise – den Rücken, da sie sich momentan in Kurzarbeit befinden oder ihren Job sogar schon verloren haben.

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Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie viele dieser Fahrgäste nach dem Ende der Krise zu den Stadtwerken zurückkehren werden. Zwar betonte die SWS-Sprecherin am Freitag, einige Kunden hätten bereits wieder neue Dauer-Tickets geordert. Allerdings wurde in den vergangenen Tagen auch Kritik an den Verkehrsbetrieben laut. Der Grund: Im Gegensatz zur Deutschen Bahn bieten die Verkehrsbetriebe keine Möglichkeit, die Tickets einfach ruhen zu lassen.

„Das ist eine Regelung, die viel zu umständlich ist“, monierte in dieser Woche beispielsweise ein Mann, der normalerweise sowohl die Stadtwerke, als auch die Bahn benutzt, um zur Arbeit zu kommen. Doch während er bei der Bahn seine Abo-Zahlungen wegen Kurzarbeit ohne Probleme befristet aussetzen konnte, ging dies bei den SWS nicht – und der Solinger musste sein Ticket 2000 kündigen.

 Allein im März wurden in Solingen knapp 780 Abonnement-Fahrausweise wie das Ticket 2000 gekündigt.
Allein im März wurden in Solingen knapp 780 Abonnement-Fahrausweise wie das Ticket 2000 gekündigt. Foto: Guido Radtke

Die Stadtwerke wiederum begründeten dieses Vorgehen nun unter anderem mit organisatorischen sowie personellen Einschränkungen. Wobei die Verantwortlichen davon ausgehen, dass demnächst eine wenigstens teilweise Rückkehr zur Normalität auf der Tagesordnung stehen dürfte.

Den Anfang in diesem Sinne macht das Tagesgeschäft. So werden die Verkehrsbetriebe ab kommendem Montag und mit dem Ende der Osterferien zum gewohnten Fahrplan zurückkehren. Parallel baten die Stadtwerke aber alle Bürger, die Busse nur „für nicht verzichtbare Fahrten zu nutzen“, wie es in einer vor dem Wochenende verbreiteten Erklärung hieß. So blieben auch die im Zuge der Corona-Krise ergriffenen Schutzmaßnahmen wie Folientüren hinter den Fahrersitzen zunächst bestehen, derweil die Nachtexpresse nur bis 0.30 Uhr fahren würden und auf den Wanderexpress der Linie 687 sogar noch ganz verzichtet werde.

Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie schlussendlich auf den Öffentlichen Personennahverkehr in Solingen zeitigen wird, lässt sich angesichts der unsicheren Prognosen zur weiteren Entwicklung noch nicht sagen. Zwar wurden – wie bei anderen Verkehrsbetrieben – zuletzt eigentlich erst später fällige Mittel von Bund und Land überwiesen. In der Politik rechnet man aber damit, dass in den kommenden Monaten eine erneute politische Diskussion um die Finanzierung des ÖPNV in der Klingenstadt nicht zu vermeiden ist.