Öffentlicher Nahverkehr im Bergischen Land Der „Geisterbus“, den niemand braucht

Meinung | Remscheid / Solingen · Für den seit Monaten nicht verkehrenden RE 47 ist ein Ersatzverkehr eingerichtet, der kaum genutzt wird – weil es eine bessere Alternative gibt.

 Der Ersatzbus für den RE 47 benötigt offiziel 67 Minuten für die Fahrt zwischen Lennep und Düsseldorf Hauptbahnhof.

Der Ersatzbus für den RE 47 benötigt offiziel 67 Minuten für die Fahrt zwischen Lennep und Düsseldorf Hauptbahnhof.

Foto: Elena Pintus

Der Schienenersatzverkehr ist ein rätselhaftes Phänomen. Die Busse, die immer dann verkehren, wenn Züge wegen Streckensperrungen nicht fahren, werden kaum genutzt. Wo ist beispielsweise plötzlich all die große Zahl an Fahrgästen hin, die sonst regelmäßig mit der S-Bahn S 7 zwischen Remscheid und Solingen unterwegs sind ? Homeoffice ? Umstieg aufs eigene Auto ? Fahrgemeinschaften ? In den aktuell wegen Bauarbeiten verkehrenden Ersatzbussen jedenfalls nicht.

Im Vergleich zu anderen Ersatzverkehren sind auf den Fahrten zwischen den beiden bergischen Nachbarstädten verhältnismäßig viele Plätze besetzt – weil der Weg über Müngsten die schnellste, weil einzige Alternative darstellt.

Ganz anders verhält es sich mit dem Ersatzbus für den nicht existierenden Regional Express RE 47, der eigentlich als Direktzug über Solingen von und nach Düsseldorf verkehren soll. Seit Monaten ist der Betrieb wegen notwendiger Reparaturen an den ständig defekten Triebwagenzügen jedoch eingestellt.

Eine Regelung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) verpflichtet den Betreiber einer Bahnlinie bei Ausfällen oder Streckensperrungen dazu, einen Ersatzverkehr bereitzustellen. Und sei es noch so unverhältnismäßig wie beim RE 47. Laut offiziellem Fahrplan benötigen die nahezu unbesetzten „Geisterbusse“ 67 Minuten von Lennep über den Remscheider Hauptbahnhof, Müngsten, Kohlfurth, das Sonnborner Kreuz und die Autobahn 46 bis nach Düsseldorf beziehungsweise zurück. In der Regel sind es bei dichtem Verkehr auf der viel befahrenen Strecke ein paar Minuten mehr.

Im Vergleich: Mit der S-Bahn S 7 und dem Umstieg in Solingen in die S 1 kann man montags bis freitags im 20-Minuten-Takt in 57 Minuten in der Landeshauptstadt sein. Natürlich vorausgesetzt, dass man den Anschluss nicht aufgrund einer Verspätung oder einer der häufigen Zugausfälle verpasst.

In dieser Woche wurden die RE 47-Ersatzbusse ausnahmsweise etwas mehr genutzt, weil auch die S 7 aufgrund von Bauarbeiten nicht verkehrte. Sonst aber wird hier unnötig Diesel verfahren und Geld verpulvert, das an anderer Stelle im Öffentlichen Nahverkehr besser eingesetzt werden könnte. Für neue, zuverlässige Züge beispielsweise.

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