Öffentlicher Nahverkehr in Radevormwald Ein Angebot nicht nur für Senioren

Serie | Radevormwald · Der Bürgerbus gehört zum ÖPNV-Netz in der Stadt auf der Höhe dazu. Die Fahrgastzahlen der Vor-Corona-Zeit sind allerdings im Moment noch nicht wieder erreicht worden.

 Erhard Hombrecher fährt seit vielen Jahren den Radevormwalder Bürgerbus. Er würde sich freuen, wenn künftig auch mehr jüngere Menschen das Angebot nutzen.  foto: jürgen moll

Erhard Hombrecher fährt seit vielen Jahren den Radevormwalder Bürgerbus. Er würde sich freuen, wenn künftig auch mehr jüngere Menschen das Angebot nutzen. foto: jürgen moll

Foto: Jürgen Moll

Er gehört schon seit bald 20 Jahren zum Radevormwalder Stadtbild dazu – der weiße Bürgerbus mit den vielen Werbe- und Sponsorenbotschaften auf dem Lack. Die erste Fahrt hat der Bürgerbus am 1. Juni 2004 unternommen – als damals 52. Bürgerbus in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit sind heute mehr als 400 Bürgerbusse im Einsatz.

Erhard Hombrecher ist einer der derzeit 25 Fahrerinnen und Fahrer, die auf den Straßen Radevormwalds unterwegs sind. „Ich fahre seit mehr als sechs Jahren, ich bin über Bekannte dazugekommen, die damals ebenfalls gefahren sind“, sagt der 69-Jährige. Nach nur einer Mitfahrt sei er vom Konzept überzeugt gewesen – und bis heute aktiv dabeigeblieben. Übrigens auch im Vorstand, dem er seit mehreren Jahren angehört.

Der Bürgerbus in Radevormwald geht zudem mit der Zeit. So fährt er seit Ende 2021 klimaneutral. „Wir leisten für die unvermeidlichen etwa sieben Tonnen CO2-Ausstoß, den wir produzieren, Ausgleichszahlungen für Wiedervernässung von Moorgebieten in Norddeutschland“, sagt Hombrecher. Auf der anderen Seite habe der Verein etwa ein Drittel der sonst gefahrenen Jahres-Kilometer reduziert durch eine Umstellung der Linien Dahlerau und Honsberg. „Da sind wir zu oft leer gefahren und machen die Fahrten jetzt nur noch auf Anruf“, sagt Hombrecher. Die Ausgleichszahlungen seien auch möglich gemacht worden, da die Stadtwerke Radevormwald den Verein unterstützt hätten. „Uns war und ist sehr wichtig, dass unsere Fahrgäste guten Gewissens klimaneutral fahren können“, betont Hombrecher.

Abgesehen davon ist der Bürgerbus für die Fahrerinnen und Fahrer – „wir haben auch erfreulich viele Frauen im Team“, sagt Hombrecher – eine kommunikative und soziale Angelegenheit. „Es ist schön, weil man sich kennt. Man kommt ins Gespräch, man tauscht sich aus“, sagt der Bürgerbusfahrer. Auch die Stimmung innerhalb des Vereins, also vor allem unter den Fahrerinnen und Fahrern, sei sehr gut. „Ein Kollege hat es bei einer Feier mal schön auf den Punkt gebracht. Er hat mir damals gesagt: Es ist ganz egal, neben wem ich sitze – ich verstehe mich mit allen gleich gut“, sagt Hombrecher. Ein nicht zu unterschätzendes Ziel der ehrenamtlichen Arbeit sei daher auch, den Menschen, die den Bürgerbus nutzten, ein wenig Gesellschaft zu bieten. „Manche kämen ohne unser Angebot gar nicht mehr in die Stadt“, sagt Hombrecher.

Helga Waluga ist Stammfahrerin, schon seit mehreren Jahren. „Für mich dauert es zu Fuß zwar genauso lange in die Stadt, wie wenn ich mit dem Bus fahre – aber man kennt sich untereinander, und für die Kommunikation in der Stadt ist der Bürgerbus enorm wichtig“, sagt die Radevormwalderin. Aktuell sitzt sie als einziger Fahrgast im Bus. „Bei schlechtem Wetter ist mehr los“, kommentiert sie. Sie habe den Bürgerbus vor etwa drei Jahren in ihrer Straße vorbeifahren sehen. „Da habe ich spontan entschieden, es einmal auszuprobieren, und bin mitgefahren“, sagt sie. Sie habe in der Folge festgestellt und für sich entschieden, dass der Bürgerbus „eine wirklich runde Sache“ ist. Seitdem fährt sie regelmäßig in die Stadt. „Manchmal passt es zeitlich nicht so gut – dann nehme ich eben ein Taxi nach Hause“, sagt sie lapidar.

Was sie besonders an der Fahrt mit dem Bus schätze, sei die Tatsache, dass er auf durchaus verwinkeltem Weg durch die Stadt fahre. „Auf diese Weise bekommt man viel mit. Dass etwa ein neues Geschäft eröffnet hat. Samstags fahre ich oft zum Markt oder ins Eiscafé. Von dem her finde ich es sehr gut, dass die Fahrten am Samstag ausgeweitet wurden“, sagt Helga Waluga. Der Bürgerbus fahre an sechs Tagen in der Woche, bestätigt Hombrecher. „Kürzlich ist tatsächlich eine Frau mitgefahren, die eigentlich in Spanien lebt, aber aus Rade kommt. Sie sagte, dass sie auf unserer Tour durch die Stadt an Ecken vorbeigekommen wäre, an die sie sich schon gar nicht mehr erinnert hätte“, sagt der Fahrer und schmunzelt.

Radevormwalder Bürgerbus nicht nur für Senioren
Foto: grafik

Was Hombrecher sich wünsche, sei noch ein wenig mehr Bekanntheit bei der Bevölkerung. „Vielleicht kann ja die Stadt noch etwas mehr auf unser Angebot hinweisen. So liegt dem Willkommens-Paket für Neubürger zwar ein Gutschein für den Bürgerbus bei – aber bislang ist noch niemand damit bei uns gefahren“, sagt Hombrecher. Schön wäre auch, wenn junge Leute den Bürgerbus öfter nutzen würden. „Es ist kein Angebot nur für Senioren“, sagt Hombrecher. Er freue sich immer, wenn das dann doch mal der Fall sei. Schließlich könne man im Bürgerbus auch einen Kinderwagen mitnehmen. „Das wäre dann eben für den Stadtbummel junger Eltern mit kleinen Kindern eine gute Alternative“, sagt Hombrecher.

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