Solingen: Vergewaltiger hat gestanden

Solingen: Vergewaltiger hat gestanden

In der Nacht zu Freitag nahm die Polizei einen 20-Jährigen fest, der Dienstag ein Mädchen missbraucht haben soll. Doch neben der Freude über den Fahndungserfolg bleibt die Sorge, ob das Kind die Tat je verarbeiten kann.

Der entscheidende Hinweis kam von einer Nachbarin. An der Haustür der Frau hatte am Dienstag jemand geklingelt, der ihr ein Exemplar der Obdachlosenzeitung "Fiftyfifty" andrehen wollte. Für sich genommen nichts als eine kleine Belästigung. Aber als die Merscheiderin später erfuhr, welch schreckliches Verbrechen ungefähr zur gleichen Zeit nur ein paar Straßen weiter geschehen war, rief sie kurzerhand die Polizei.

Die richtige Entscheidung, denn so gelang es den Beamten der Sonderkommission "Eifel", in der Nacht zu gestern, den Mann festzunehmen, der in dringendem Verdacht steht, Dienstag ein elfjähriges Mädchen in dessen elterlicher Wohnung an der Eifelstraße brutal vergewaltigt zu haben. Der 20-jährige Osteuropäer gehörte zur gleichen Drückerkolonne wie jener Kollege, der versucht hatte, der Nachbarin eine Zeitung zu verkaufen. Der Mann war nämlich zunächst festgenommen worden und führte die Polizei schließlich zum wirklich Schuldigen.

Todesängste des Opfers

Dabei ließ sich auch gestern bei einer Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft in Wuppertal allenfalls erahnen, wie erbarmungslos der mutmaßliche Täter vorgegangen war und welche Qualen sowie Todesängste das Mädchen hatte durchleben müssen. "Er hat das Kind nicht nur missbraucht, sondern überdies geschlagen", erklärte der zuständige Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert, nachdem die Fahnder den 20-Jährigen nach der Festnahme in einer Wohnung im Duisburger Stadtteil Bruckhausen eingehend vernommen hatten.

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Tatsächlich wohnte der Vergewaltiger zusammen mit vier Landsleuten in nur einem Zimmer. Und vonDuisburg aus fuhr die Gruppe immer wieder nach Solingen, um das Obdachlosenblatt — ohne die eigentlich dazu nötige Erlaubnis — zum Kauf anzubieten. Wie auch Dienstag, als sich die Männer zunächst auf dem Parkplatz eines Discounters an der Merscheider Straße platzierten, um von dort in die anliegenden Straßen auszuschwärmen.

Mit Hilfe von Spürhunden gelang es später, den genauen Weg des Täters zu rekonstruieren. Dieser war direkt nach dem Zugriff zusammengebrochen und hatte noch auf der anschließenden Fahrt zum Polizeipräsidium Wuppertal alles gestanden. Inwieweit die Behauptung des 20-Jährigen stimmt, er habe sich spontan zu dem Verbrechen entschlossen, oder ob er der Kleinen nicht doch schon auf dem Schulweg aufgelauert hatte, müssen nun weitere Ermittlungen zeigen. Darüber hinaus wird eine mögliche Verantwortung des Heranwachsenden für ähnlichen Taten geprüft.

Die Mutter des Mädchens reagierte auf die Nachricht von der Festnahme gestern mit Erleichterung. Ob das Kind allerdings jemals über das schreckliche Martyrium hinwegkommt, lässt sich im Augenblick nicht beurteilen. Die Familie befindet sich zur Zeit an einem anderen Ort, wo die zutiefst traumatisierte Elfjährige psychologisch betreut wird. "Etwas Hoffnung gibt, dass sie inzwischen über das Erlebte sprechen kann", sagte Oberstaatsanwalt Baumert, der wie alle anderen gestern nur froh war, den Vergewaltiger so schnell gefasst zu haben.

(RP)