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Solingen: Verdächtiger mit Promi-Anwalt

Solingen : Verdächtiger mit Promi-Anwalt

Um den in London inhaftierten Solinger Robert B. will sich Rechtsanwalt Burkhard Benecken kümmern. Er vertritt auch die Mutter des Inhaftierten und möchte mit ihr in Kürze nach London reisen.

Erleichtert dürfte die Mutter des terrorverdächtigen Solingers Robert B. noch nicht sein, doch sie weiß inzwischen, dass sich eine renommierte Rechtsanwaltskanzlei der Verteidigung ihres Sohnes annehmen wird. Burkhard Benecken aus Marl wird sich um die Belange des 23-Jährigen kümmern und um die von Mutter Marlis B., die bis heute nichts von ihrem Sohn gehört hat.

Nun hofft sie, dass der Anwalt sie mitnimmt, wenn er Robert B. in der Untersuchungshaft in London besuchen kann. "Ich habe bereits Kontakt zu britischen Kollegen aufgenommen und bemühe mich derzeit, Robert B. in der Untersuchungshaft zu besuchen", sagt Burkhard Benecken im Gespräch mit unserer Zeitung. Er wisse natürlich nicht, ob B. ihn sehen wolle, die Mutter sei im Moment generalbevollmächtigt auch für ihren Sohn, der letztlich jedoch selbst entscheiden müsse, wer ihn verteidigt.

Hacker von Lady Gaga verteidigt

Festgenommen worden waren der 23-jährige Robert B. und der 28-jährige Christian E., die seit längerer Zeit im "Deutsch-Islamischen Zentrum" in der Nordstadt ihre geistige Heimat gefunden hatten, bereits am 15. Juli bei der Einreise nach London. Im Gepäck sollen sie Pläne zum Bau von Bomben gehabt haben. Im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens hatte nach der Festnahme auch die Wuppertaler Staatsanwaltschaft mit dem Fall zu tun.

Deren Ermittler hatten in Solingen Wohnungen durchsucht. Damit war für die Behörde, in deren Zuständigkeit Solingen fällt, nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert der Fall abgeschlossen. Um das "Deutsch-Islamische Zentrum" in Solingen ist es derweil ruhig geworden. Die anderen islamischen Gemeinden Solingens haben sich seit den Vorfällen besonders um Offenheit und Dialog bemüht. Oberbürgermeister Norbert Feith suchte das Gespräch zuletzt noch beim traditionellen Fastenbrechen, zu dem die Moslems im Ramadan auch Andersgläubige einladen.

In Burkhard Benecken hat Robert B. einen nicht unbekannten Verteidiger. Der erst 35-jährige Jurist hat bereits diverse schlagzeilenträchtige Fälle übernommen und schilderte im Privatfernsehen seine kuriosesten Fälle. So die Verteidigung jenes Mannes, der Computer von Promis wie Lady Gaga und Usher hackte. Auch den Mann, der ins Haus von Dieter Bohlen einbrach, hat Burkhard Benecken verteidigt. Der bekannte Jurist arbeitet in der von seinem Vater Siegmund Benecken gegründeten Kanzlei in Marl.

Siegmund Benecken hat vor nunmehr 16 Jahren im Zusammenhang mit einem Solinger Fall für Schlagzeilen gesorgt. Er verteidigte den ältesten der vier Täter, die am 29. Mai 1993 das Haus der türkischen Familie Genç in der Unteren Wernerstraße anzündeten. Sein Mandant hatte 1995 wegen fünffachen Mordes und 14-fachen Mordversuchs nach 125 Prozesstagen und 18 Monaten Verhandlungsdauer die höchste Strafe bekommen, weil er als Einziger nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurde.

Marlis B. weiß bis heute nicht, wie ihr erst 23-jähriger Sohn so früh ins Extreme abdriften konnte. Sie habe immer mit "irgendwas" gerechnet, doch nicht gleich mit so etwas Schlimmem. Jetzt hofft sie sehr, dass ihr Sohn sie bei einem möglichen Besuch überhaupt sehen will, wenn sie hoffentlich bald mit Anwalt Benecken nach England reisen kann. Denn schon vor seiner Inhaftierung war der Kontakt zu ihm abgebrochen. "Sein Vater hätte nicht sterben dürfen", sucht Marlis B. eine Erklärung für das Unerklärliche.

(RP)