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Solingen: Verbeugung vor den Opfern

Solingen : Verbeugung vor den Opfern

„Um den Stein lesen zu können, muss man sich vor den Opfern verbeugen“, sagt Gunter Demnig. In Solingen hat er fünf neue Stolpersteine verlegt. Für Dr. Friedrich Mayer, Artur Deichmann, Helene Adams, Wilhelm Kratz und Ernst Bertram. Mit den Mahnmalen will der Künstler an die Widerstandskämpfer und Opfer der Nationalsozialisten erinnern. Morgenpost-Redaktionsmitglied Sandra Kaiser sprach mit ihm über das Projekt.

Herr Demnig, wie sind Sie auf die Idee mit den Stolpersteinen gekommen?

Demnig 1990 habe ich in der Kölner Innenstadt eine 16 Kilometer lange Schriftspur mit den Worten „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“ gezogen, um an die Deportation zu erinnern. Doch die Farbe wurde mit der Zeit weggewaschen. Drei Jahre später habe ich die Schrift an 22 Stellen dauerhaft mit Messingplatten erneuert. Das war der Anfang.

Wie viele Steine haben Sie mittlerweile verlegt? Haben Sie mitgezählt?

Demnig Es sind mehr als 11 000 in 220 deutschen und acht österreichischen Kommunen.

Machen Sie das alles alleine?

Demnig Bei der Herstellung bekomme ich nun Hilfe. Aber das Verlegen mache ich weiter selber. Die Leute wollen das. Außerdem bin ich Künstler, das ist mein Projekt. Ich will bestimmen, wohin und wie der Stein verlegt wird. Auch will ich den Kontakt zu den Menschen und dabei sein, wenn die Geschichten der Opfer verlesen werden.

Bleibt da Zeit für andere Projekte?

Demnig Gar nicht mehr. Ich bin jeden Tag für die Stolpersteine unterwegs. Bis 2009 bin ich schon völlig ausgebucht. Diesen Monat verlege ich die ersten acht Steine in Ungarn. Die Niederlande folgen noch in diesem Jahr, Dänemark ist bereits angefragt.

(RP)