Schwerpunkt Gedenken 25 Jahre Brandanschlag: Unwetter beendet Gedenkfeier am Mahnmal

Schwerpunkt Gedenken 25 Jahre Brandanschlag : Unwetter beendet Gedenkfeier am Mahnmal

An der zentralen Trauerkundgebung am Mildred-Scheel-Berufskolleg zu Ehren der Brandanschlagopfer nahmen rund 600 Besucher teil.

Straßensperren, strenge Durchlasskontrollen und internationale Kamerateams: Die Gedenkfeier zum 25. Jahrestag des Solinger Brandanschlages hat die Klingenstadt gestern phasenweise in eine Art Ausnahmezustand versetzt. Vor allem in der Gegend rund um das Mildred-Scheel-Berufskolleg, wo die zentrale Trauerveranstaltung für die fünf Mordopfer vom 29. Mai 1993 stattfinden sollte, ging einige Zeit lang kaum noch etwas. Denn immerhin galt angesichts der hochrangigen Gäste aus der Politik eine ausgesprochen hohe Sicherheitsstufe.

Am Ort des Verbrechens von 1993 an der Unteren Wernerstraße beteten mehrere hundert Menschen für die Opfer - darunter Mevlüde Genç. Foto: Hogekamp Lena

So waren neben der Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth und dem stellvertretenden NRW-Ministerpräsidenten Joachim Stamp auch Bundesaußenminister Heiko Maas sowie dessen türkischer Amtskollege Mevlüt Çavusoglu nach Solingen gereist. Doch zu den eigentlich geplanten Reden der beiden Chefdiplomaten aus Deutschland und der Türkei kam es nicht. Der Grund: Als am späteren Nachmittag ein schweres Unwetter über das Bergische Land zog, musste die Veranstaltung vorzeitig beendet werden.

Prominente Gäste: Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth, der türkische Außenminister Mevlüt Çavusoglu und Bundesaußenminister Heiko Maas (r.). Foto: Köhlen Stephan

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich am Mahnmal vor dem Mildred-Scheel-Kolleg nach polizeilichen Schätzungen rund 600 Besucher eingefunden. Gemeinsam mit der versammelten Politprominenz wollten die Trauergäste jener fünf Opfer gedenken, die auf den Tag genau vor 25 Jahren bei dem ausländerfeindlichen Anschlag auf das Haus der türkischen Familie Genç an der Unteren Wernerstraße durch vier Rechtsextremisten ums Leben gekommen waren.

Mir starker Präsenz sicherte die Polizei die verschiedenen Veranstaltungen in Solingen ab. Foto: Köhlen Stephan

"Das ,Wir' soll und muss für uns in Solingen Wegweiser bleiben", sagte beispielsweise Oberbürgermeister Tim Kurzbach, der im Rahmen seiner Ansprache überdies betonte, in der Klingenstadt habe die deutsch-türkische Freundschaft eine lange Tradition, die es auch in Zukunft entschlossen zu verteidigen gelte.

Dabei war der Gedenktag zu Ehren der Mordopfer gerade in diesem Jahr schon im Vorfeld politisch besonders aufgeladen gewesen. So hatte speziell der Auftritt des türkischen Außenministers Argwohn ausgelöst. Schließlich finden in der Türkei in einigen Wochen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt - was zur Folge hatte, dass viele Beobachter statt stillen Gedenkens eher einen Wahlkampfauftritt von Mevlüt Çavusoglu befürchteten.

Gleichwohl erwiesen sich solche Bedenken am Ende als unbegründet. Nachdem der türkische Außenminister bereits am Mittag bei einer Gedenkveranstaltung in der Landeshauptstadt Düsseldorf vergleichsweise moderate Töne angeschlagen hatte, blieb es später in Solingen bei einem Besuch Çavusoglus am Mahnmal, ehe die Veranstaltung wegen des schweren Unwetters abgebrochen werden musste.

Parallel zu der Gedenkveranstaltung am Mildred-Scheel-Kolleg fand auf der gegenüberliegenden Seite der Beethovenstraße eine Gegendemonstration linker Gruppen statt. Mit ihrem Protest wollten die Teilnehmer, darunter die MLPD, auf die aktuelle politische Situation in der Türkei aufmerksam machen. Allerdings hatten schon vor einigen Wochen andere Gruppen wie etwa der Türkische Volksverein Solingen und Umgebung ihre Mitwirkung abgesagt, so dass gestern die Zahl der Protestierer recht überschaubar blieb.

Mehr Zuspruch fand hingegen am frühen Abend ein stilles Gedenken am Ort des Verbrechens von 1993. Mehrere hundert Menschen waren dem Aufruf der Ditib-Gemeinde zur Unteren Wernerstraße gefolgt, um zusammen mit Angehörigen der Familie Genç, darunter Mevlüde und Durmus Genç, um die Opfer zu trauern.

Die Polizei zog anschließend eine ausgesprochen positive Zwischenbilanz des gesamten Gedenktages. "Alles ist bislang friedlich geblieben", sagte ein Polizeisprecher am Dienstagabend auf Anfrage unserer Redaktion. Insgesamt war die Polizei mit mehreren hundert Beamten den ganzen Tag über in Solingen im Einsatz gewesen. Unter anderem waren auch Hundertschaften vor Ort, um einen reibungslosen Ablauf der unterschiedlichen Veranstaltungen zu gewährleisten.

(RP)
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