Unternehmen aus Solingen: Elektro-Fahrzeuge nehmen Fahrt auf

Unternehmen aus Solingen : Elektro-Fahrzeuge nehmen Fahrt auf

In rund sechs Jahren wird laut Horst Gabriel die Elektromobilität viel Schwung gewinnen. Automobilzulieferer müssen sich deshalb schon jetzt umstellen. Die Ernst Ludwig Emde GmbH hat die Zukunft schon jetzt im Blick.

Automobilzulieferer müssen sich auf absehbare Zeit umstellen. Denn gewinnt die Elektromobilität mehr und mehr an Fahrt, müssen die Hersteller beziehungsweise Zulieferer von Zubehörteile im besten Fall ihre Teile umstellen. Teile, die auch in Elektro-Autos benötigt werden. „Die Phase der Umstellung dauert voraussichtlich sechs Jahre – bis 2025“, sagt Horst Gabriel, „in dieser Zeit werden die Automobilkonzerne vom Benziner und Diesel auf E-Fahrzeuge ihre Fertigungen umgestellt haben“.

Der Geschäftsführer der Walder Ernst Ludwig Emde GmbH, dessen 1932 gegründetes Unternehmen Teile wie Stecker, Fahrzeugkontakt-Elemente, Scheiben und Ringe und diverse Stanzteile herstellt und die unter anderem bei VW und Audi, aber auch bei Bugatti, Ferrari und Porsche Verwendung finden, erwirtschaftet immerhin 40 Prozent des Umsatzes mit Automobilteilen. „Sicherheitsscheiben, Kontakte oder auch Stecker, die wir für Benziner oder Diesel herstellen, fallen künftig weg. Dafür sind aber andere Zubehörteile gefragt“, sagt der 61-jährige Unternehmer, der zugleich auch Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Solingen ist.

Davon profitiert die Emde GmbH sogar, wenn denn die Elektromobilität so richtig Schwung aufgenommen hat – wovon Horst Gabriel ausgeht: „Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten“, sagt der Ingenieur. Das Unternehmen von der Brüderstraße hat unter seinen Kunden nämlich zwei große Hersteller von Elektro-Ladestationen. „Die beziehen von uns Anschlüsse und Kontakte, die viel dicker als die bisherigen sind“, erklärt Horst Gabriel. Das sorgt letztlich für Umsatzsteigerungen. „Wir waren rechtzeitig da und haben auch etwas Glück gehabt“, erzählt der Unternehmer.

Automobilzulieferer für die aufwendige Motorentechnik oder Tanksysteme für Benzin oder Diesel haben dagegen schlechtere Zukunftsaussichten. Denn diese Teile fallen beim Elektroauto nicht mehr an – die Fertigung eines Elektromotor ist weniger aufwendig und benötigt auch weniger Arbeitskräfte. „Fachkräfte beispielsweise aus der Motorentechnik werden aber in anderen technischen Bereichen gut unterkommen. Dort werden sie mit Kusshand übernommen“, glaubt Horst Gabriel. Er geht davon aus, dsass etwa 100.000 Mitarbeiter allein im Segment Motorentechnik/Tanksysteme ihren Job verlieren könnten. Für Karosseriebauer oder Oberflächenspezialisten wird sich nach Einschätzung des Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes nicht viel ändern. „Und Autositze werden auch weiter gebraucht.“

Dass die Elektromobilität in weniger Jahren durchstartet, das liegt auch an immer besseren Batterien. „Es gibt schon jetzt Systeme mit einer Reichweite von 2000 Kilometern. Die sind zurzeit aber noch nicht serienreif“, schränkt Horst Gabriel ein. In drei Jahren, so seine Einschätzung, wird dies aber der Fall sein. „Dann benötigt man aber auch eine gute Infrastruktur an Ladestationen.“

Neben der Automobilindustrie ist die Elektro-Industrie eine wichtige Sparte für die Emde GmbH. Auch hier werden „40 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet“, sagt Gabriel mit Blick auf Steckdosen-Zubehör, Schienen sowie Stanzteilen mit Gewinde. Die Schirm-Industrie (Spitzen, Klammern, Taschen) und der Maschinenbau (Klemm- und Stanzteile) werden ebenfalls beliefert.

Mehr von RP ONLINE