Solingen Unternehmen aus Hongkong fälscht Solinger Taschenlampe

Solingen · Taschenlampen von Zweibrüder Optoelectronics sind begehrt. Immer wieder werden die innovativen, in Solingen entwickelten Produkte hemmungslos abgekupfert. Jetzt erneut: Die LED-Taschenlampe "Led Lenser P 7.2" wurde von einem Unternehmen aus Hongkong dreist nachgeahmt - Original und Fälschung sind auf den ersten Blick kaum auseinanderzuhalten.

 Das Original (links) der LED-Taschenlampe "Led Lenser P 7.2" und die Fälschung (rechts) aus Hongkong/China.

Das Original (links) der LED-Taschenlampe "Led Lenser P 7.2" und die Fälschung (rechts) aus Hongkong/China.

Foto: Aktion Plagiarius e.V.

Für die achtköpfige Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2015, in der diesmal mit dem Unternehmer Dr. Karl Peter Born (Güde GmbH) auch ein Solinger saß, war die Taschenlampe eine von sieben gleichrangigen Auszeichnungen des Negativ-Preises Plagiarius wert, die gestern zum Auftakt der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente verliehen wurde.

Bereits zum 39. Mal hatte die Aktion Plagiarius e.V. den Wettbewerb ausgeschrieben. Unternehmen und Erfinder waren aufgerufen, ihre Originalprodukte sowie vermeintliche Nachahmungen einzureichen und den Plagiator - sei er Hersteller oder Händler - als Preisträger des Negativ-Preises vorzuschlagen. 41 Einsendungen wurden dabei genau unter die Lupe genommen.

Insgesamt wurden gestern neben den sieben gleichrangigen Auszeichnungen die drei Hauptpreise, zudem ein Sonderpreis verliehen.

Gefälscht wird nahezu alles, was sich gut verkaufen lässt - in allen Preis- und Qualitätsstufen, seien es nun Lampen, Schneidwaren, Möbel oder Parfüms. Und längst schon kommen die Produktfälscher nicht nur aus Fernost. Aber immer wieder: Bei einem Heißluftgebläse eines deutschen Herstellers konnte ein chinesischer Betrieb nicht widerstehen, die Plagiarius-Jury vergab hierfür den ersten Hauptpreis. "Das Geschäft mit Plagiaten und Fälschungen boomt - auch dank viel zu geringer Strafen", erklärt der Verein Aktion Plagiarius. Leichtgläubige Schnäppchenjäger und das Internet würden den Fälschern milliardenschwere Gewinne ermöglichen.

Der Verein machte im Rahmen der Verleihung gestern klar, dass die Auszeichnung mit dem Plagiarius, der Zwerg mit der goldenen Nase, nichts darüber aussagt, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt ist oder nicht, ob sie also rechtmäßig oder rechtswidrig ist. Die Aktion Plagiarius könne kein Recht sprechen. "Sie darf aber auf Unrecht betroffener Firmen aufmerksam machen und die Meinung äußern, dass plumpe 1:1-Nachahmungen einfallslos und moralisch verwerflich sind und zu Stillstand führen", so der Verein.

Erfreulich sei aber immerhin, dass der hohe Bekanntheitsgrad des Plagiarius auch dieses Jahr wieder seine abschreckende Wirkung gezeigt habe: Aus Angst vor der öffentlichen Blamage hätten einige der angeschriebenen Nachahmer Restbestände der Plagiate vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben oder ihre Lieferanten preisgegeben.

Nach der Präsentation auf der Frankfurter Messe Ambiente werden die Preisträger-Objekte auch im Museum Plagiarius im Solinger Südpark ausgestellt, und zwar ab dem 20. Februar.

(uwv)
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