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Solingen: "Unsere Stadt ist sicher"

Solingen : "Unsere Stadt ist sicher"

Interview Solingens neuer Polizei-Chef, Stefan Kronenberg, ist seit rund 100 Tagen im Amt. In seiner Heimatstadt ist der Spitzenbeamte aus Düsseldorf beruflich schnell angekommen. Einen spektakulären Bankraub erlebte er schon in der Klingenstadt, doch bleibt die Lage übersichtlich.

Solingen gilt statistisch gesehen als sicherste Stadt Deutschlands. Beruhigt Sie das?

Kronenberg Ich weiß nicht, ob das stimmt. Doch von den polizeilichen Indikatoren wie Unfallgefahr und Kriminalitätsgeschehen her betrachtet stehen wir gut da. Ich persönlich fühle mich sicher in Solingen. Doch 100prozentige Sicherheit gibt es nicht, sonst bräuchten wir keine Polizei. Gleichwohl ist unsere Stadt sicher. Kein Bürger muss sich über die übliche Grundangst vor Kriminalität hinaus Sorgen machen.

Erst kürzlich gab es an der Weyerstraße eine Geiselnahme, die dann doch keine war. Aber immerhin ein Banküberfall mit riesigem Polizeiaufgebot.

Kronenberg Ich war zum Zeitpunkt des Einsatzes bei einer Führungstagung in Hilden. Es gibt bei uns einen klaren Ablauf. Der besagt, dass lokale Polizeikräfte erste Maßnahmen ergreifen, dann aber eine Großbehörde wie Düsseldorf übernimmt, die für solche besonderen Einsätze speziell geschultes Personal hat. Ich war allerdings die ganze Zeit über den Einsatz genau informiert. Doch solche besonderen Lagen sind hier höchst selten.

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Alltagsdelikte gibt es sicher öfter. Kaum im Amt wurde der neue FDP-Generalsekretär unlängst mit seinem Fehlverhalten bei einer Fahrerflucht konfrontiert. Er hatte angeblich unbemerkt einen Außenspiegel eines fremden Autos abgefahren.

Kronenberg Verkehrsunfallflucht gibt es häufig, Tendenz steigend. Viele Autofahrer scheuen die finanziellen Folgen ihres Tuns und denken: ist nicht so schlimm oder es hat keiner gesehen. Völlig unverständlich ist ein solches Verhalten, wenn Menschen zu Schaden kommen. Mitunter wollen die Flüchtenden auch andere Delikte wie Alkohol oder Drogen am Steuer verdecken.

Der kurze Wintereinbruch am Dienstag hat gezeigt, dass viele Autofahrer offenbar schlecht vorbereitet waren.

Kronenberg Ich selbst habe auf einer Strecke von drei Kilometern eine halbe Stunde im Stau gestanden. Es gab viele liegengebliebene Lkw, die offenbar falsch bereift waren. Die gesetzliche Regelung lässt es aber nicht zu, dass wir Autos mit Sommerreifen vorsorglich aus dem Verkehr ziehen können. Da ist sicher auch Eigenverantwortlichkeit jedes Einzelnen gefragt.

Gilt das auch für Tempoverstöße?

Kronenberg Nein. Da gibt es klare Regeln. Überhöhte Geschwindigkeit liegt bei den Unfallursachen ganz vorne. Wenn wir vor Schulen oder Kindergärten kontrollieren, stellen wir mitunter fest, dass es die Eltern selbst sind, die zu schnell fahren, wenn sie ihre Kinder bringen oder abholen. Längst nicht immer sind die Kleinen richtig angeschnallt. Das gibt mir zu denken.

Wie schnell ist eigentlich die Polizei?

Kronenberg Es gibt landesweit unterschiedliche Einsatzreaktionszeiten. Das hängt von der jeweiligen Topographie ab. In ländlichen Flächenbereichen sind sie in der Regel länger als in der Großstadt. In Wuppertal, Remscheid und Solingen sind sie etwa gleich. In Solingen sind wir dieses Jahr schneller geworden, doch hängt es immer auch vom Einsatz selbst ab. Ist es eine zugeparkte Garage oder der "Täter am Ort"? Im letzten Fall sind wir innerhalb weniger Minuten da. Nicht umsonst haben wir zwei mit Einsatzfahrzeugen besetze Wachen in der Stadt, die Hauptstelle an der Kölner Straße und die Wache in Ohligs am Bahnhof. So haben wir trotz der weitläufigen Stadtfläche die Möglichkeit, schnell zu reagieren.

Seit etwa 100 Tagen sind Sie im Amt. Was hat Sie bisher am meisten überrascht?

Kronenberg Solingen ist im Vergleich zu Düsseldorf eine andere Welt. Die Landeshauptstadt hat eine riesige Behörde mit viel Personal, das kommt und geht. Ich war 1979 zuletzt als Polizist in Solingen, auf dem Funkwagen. Nun habe ich viele Kollegen von damals wieder getroffen. Viele fangen in Solingen an und bleiben dort. Das schafft festgewachsene Strukturen, aber auch eine große Identifikation mit der Stadt. Letzteres war für mich neu. Vor dem Hintergrund begrenzter Personalressourcen macht das vieles leichter. Vielfältige Belastungen werden durch Identifikation und erhöhte Motivation aufgefangen.

Ist Ihr Dienstzimmer groß genug?

Kronenberg Natürlich. In dem Neubau an der Kölner Straße befinden sich 115 Polizeibeamte, die mir unterstehen. Hinzu kommen etwa 30 Kollegen des Kriminalkommissariats 33 und der Verkehrsdezernate, die Wuppertal unterstellt sind. Für sie sind die Raumkapazitäten ausreichend. Kleinere Defizite sind inzwischen behoben. Wer wie ich das alte Präsidium am Jürgensplatz in Düsseldorf kennt, empfindet die Solinger Dienststelle als luxuriös.

In Düsseldorf waren Sie Leiter der Führungsstelle in der Verkehrsdirektion. Sie sagten es bereits: Düsseldorf ist nicht Solingen. Verkehrsprobleme gibt es aber wohl auch in der Klingenstadt. Oder?

Kronenberg Gravierende Verkehrsprobleme gibt es in Solingen nicht. Das zeigen die verhältnismäßig niedrigen Unfallzahlen. Da liegen wir erheblich unter dem Landeslimit. Die fehlende Autobahnanbindung der Stadt macht sich auch dadurch bemerkbar, dass gerade bei schlechter Witterung besonders anfällige Lkw den Verkehrsfluss hemmen. Gleichwohl gibt uns die Statistik insgesamt keine Hinweise auf besondere Risikogruppen. Doch bleibt es unsere Aufgabe, uns um die sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmer besonders zu kümmern. Dazu gehören etwa Kinder und Senioren ebenso wie Radfahrer oder Fußgänger. Das tun insbesondere unsere Verkehrssicherheitsberater.

Das Gespräch führte Bernd Bussang.

(RP/jco)