Union-Solingen-Stadion: Abriss von Flutlichtmasten von Fußball-Verein

Abriss bei Union Solingen : Der Stadion-Fall zu Ohligs

Abriss des Stadions von Union Solingen: Hier fallen die Flutlichtmasten

Das Ende des einstigen Union-Solingen-Stadions ist da. Am Mittwoch wurden drei der vier Flutlichtmasten abgerissen, um Platz zu schaffen für Wohnungen. Für alte Unioner war es ein Tag der Wehmut und des Abschieds.

Drei der vier Flutlichtmasten waren bereits umgestürzt, da kam es am Mittwochnachmittag am Rande des ehemaligen Union-Stadions in Ohligs zu einer eher zufälligen Begegnung – und zu einer Art Zeitreise in eine unwiederbringlich vergangene Epoche. Denn mit Bernd Wilz und Klaus-Dieter Dieckmann trafen zwei Männer zusammen, die quasi sinnbildlich stehen für die große Ära des Solinger Fußballs, als in den 70er und in den 80er Jahren noch tausende Fans zu den Zweitligaspielen der Union am Hermann-Löns-Weg gepilgert waren.

Dabei hatten sowohl der ehemalige Vereinspräsident, als auch der Ex-Vorstopper von Union Solingen die beide einen letzten Blick auf „ihr“ Stadion werfen wollten, den eigentlichen Moment des Abschieds gar nicht mitbekommen. Eine Spezialfirma hatte nämlich bereits am Morgen zunächst einmal drei der alten 32 Meter hohen Flutlichtmasten der traditionsreichen Zweitliga-Arena zum Einsturz gebracht.

Und der vierte Mast, der einstweilen noch stehenblieb, wird in den nächsten Tagen ebenfalls weichen, so dass dann sämtliche Spuren des Stadions am Hermann-Löns-Weg für immer verschwunden sein werden.

Jeweils nur wenige Sekunden benötigten die Fachleute der Moß Abbruch-Erdbau-Recycling GmbH aus dem emsländischen Lingen am Mittwochvormittag, um vor etlichen Schaulustigen die mächtigen Kolosse zu fällen, die immerhin fast 36 Jahre lang so etwas wie Landmarken im Ohligser Unterland gewesen waren. Wobei schon in den zurückliegenden Wochen die Vorbereitungen für den Tag X – inklusive Tribünen-Abriss – über die Bühne gegangen waren. Das hatte zur Folge, dass jetzt am Ende alles ganz schnell ging.

Es war gegen kurz nach 10 Uhr, als der erste Mast ins Stadioninnere kippte. Zunächst noch recht langsam neigte sich das Flutlicht an der Nordwestecke der Anlage um ein paar Zentimeter, nahm sodann aber plötzlich Fahrt auf, um schließlich mit lautem Donnern auf die Erde zu krachen und beim Aufprall die gesamte Szenerie für Momente in eine Wolke aus Staub und Schutt zu tauchen.

Schon kurze Zeit später hatte sich der Nebel gelichtet, so dass die anwesenden Ingenieure den nunmehr gefallenen Riesen inspizieren sowie eine erste Zwischenbilanz ziehen konnten, die wiederum mehr als positiv ausfiel. „Alles hat bestens funktioniert“, sagte beispielsweise Frank Sauermilch, der als Projektleiter den Abbruch überwachte.

Und der direkt danach beobachtete, wie die Arbeiter das nächste Flutlicht, diesmal jenes am alten Haupteingang des Stadions, für den Abriss präparierten. Unter anderem wurde der Fuß des Mastes mit Schweißgeräten aufgesägt, während von der anderen Seite ein Bagger mit einem langen Stahlseil an dem Stahlkonstrukt zog.

Eine echte Millimeterarbeit: Denn als auch dieser Mast zu guter Letzt nachgab und zu Boden raste, schmetterten die Scheinwerfer am oberen Ende des Riesen auf einen eigens aufgeschütteten Erdhügel, der die Erschütterung merklich abfederte.

Gleichwohl hinterlässt das Ende des alten Union-Stadions Spuren, wie einige Stunden später deutlich wurde. Als nämlich Alt-Präsident Wilz sowie Ex-Spieler Dieckmann am Nachmittag den Überresten ihrer einstigen Wirkungsstätte noch einmal einen Besuch abstatteten, überwog – obwohl seit mehreren Jahren klar war, dass es eines Tages so kommen würde – vor allem ein Gefühl: Wehmut.

Bernd Wilz führte die Union in den Jahren 1978 bis 1983 als Präsident. Für ihn verschwindet mit dem Stadion auch ein Stück Heimat. Foto: Oberpriller/Martin Oberpriller

„Das ist ein trauriger Tag“, sagte Bernd Wilz, der selbst maßgeblichen Anteil am Bau der Flutlichtmasten gehabt hatte. So wurde die Anlage 1982 für rund 1,3 Millionen D-Mark, also gerade einmal rund 650.000 Euro errichtet – was schon damals ein eher bescheidener Preis dafür war, in Solingen Profifußball zu bieten.

Denn an dem Bau einer Beleuchtung kam die Union nicht vorbei, wollte sie weiter im Konzert der Großen mitspielen. Der Grund: 1981 hatten die Klingenstädter die Qualifikation für die eingleisige Zweite Bundesliga zwar locker geschafft. Doch der DFB ließ langfristig nur solche Clubs zu, die über Flutlicht verfügten.

Deshalb warb die Union bei der Stadt intensiv für die neuen „Lichtspiele“, die schließlich auch mit der Unterstützung vieler Firmen aus der Region sowie unter Mithilfe zahlreicher Union-Mitglieder realisiert werden konnten. So waren die Solinger fortan in der Lage, Abendspiele auszutragen. Wobei Verteidiger Dieckmann bis heute von der Atmosphäre in Ohligs schwärmt. „Wir waren zuhause eine Macht“, erinnerte sich der Spieler, der zwischen 1980 und 1989 insgesamt 190 Profispiele für die Union bestritt, jetzt noch einmal an die Glanzzeiten.

Unter anderem steht aus dieser Ära das legendäre 1:2 im Pokalviertelfinale 1985 gegen Borussia Mönchengladbach in den Geschichtsbüchern, als 18.000 Fans die Beinahe-Niederlage des Favoriten vom Niederrhein auf Schneeboden miterlebten. Oder das allererste Spiel unter Flutlicht im Dezember 1982, bei dem Schalke 04 mit 4:0 besiegt wurde.

Indes vermochte sich der Club nicht halten. Nach guten Platzierungen in der ersten Hälfte der 80er ging es kontinuierlich bergab, ehe im Sommer 1989 der Abstieg aus der Zweiten Liga feststand. Was folgte, waren lange Jahre im Amateurfußball und in einem Stadion, das nach und nach immer sanierungsbedürftiger wurde. Bis 2010 auch diese Zeit abgelaufen war.

Trotzdem sind sich Bernd Wilz und Klaus-Dieter Dieckmann weiter sicher, dass der Abriss des Stadions, das neuer Wohnbebauung weicht, ein großer Verlust ist. „Damit ­verschwindet ein Stück Heimat“, sagte Ex-Präsident Wilz am Mittwoch.