Solingen: Unglücksaufzug gesperrt

Solingen: Unglücksaufzug gesperrt

Einen Tag, nachdem ein 37-Jähriger in einem Fahrstuhlschacht ums Leben gekommen ist, deuten die Ermittlungen der Polizei weiterhin auf einen Unfall hin. Das Arzt- und Geschäftshaus hatte gestern wie gewohnt geöffnet.

Als Ellen Brückmann gestern wie sonst zu ihrem Arzt am Werwolf gehen will, hält ein Schild am Lift sie auf. "Außer Betrieb" ist dort zu lesen. Patienten der in dem Haus angesiedelten Arztpraxen werden gebeten, den Aufzug des zweiten Eingangs zu benutzen. "Ach, hier ist das passiert!", sagt die Solingerin betroffen. Am Sonntagmorgen ist in dem Schacht hinter der grünen Aufzugstür ein 37-Jähriger ums Leben gekommen.

Weil der Fahrstuhl steckengeblieben war, hatte der Mann, Juniorchef einer alteingesessenen Handwerkerfamilie, offenbar versucht, sich selbst zu befreien und war dabei gut 15 Meter in die Tiefe gestürzt. "Mein Mann kannte ihn", sagt Brückmann bedrückt. Außer dem gesperrten Aufzug deutet an dem Haus nichts auf den Unfall hin.

Patienten der Arztpraxen gehen ein und aus, die Apotheke, deren einer Eingang sich nur wenige Meter neben dem Lift befindet, hat zu ihren gewohnten Zeiten geöffnet. Äußern will man sich darin zu dem Unfall nicht.

Die Polizei geht weiterhin von einem "sehr tragischen Unglücksfall" aus. "Der Aufzug war zwischen der vierten und fünften Etage hängengeblieben und ragte mit dem Boden etwa 25 bis 30 Zentimeter in die vierte Etage hinein", berichtet Sprecher Michael Bartsch. Der 37-Jährige hatte den bisherigen Ermittlungen zufolge die Fahrstuhltür von innen geöffnet und wollte sich wohl durch den schmalen Spalt zwischen Türrahmen und Aufzugsboden in die vierte Etage hinunterschwingen. Eine schwierige Sache, denn unter dem Boden der Fahrstuhlkabine sei außer dem tiefen Schacht nichts mehr, das hätte Halt geben können. Dabei sei der 37-Jährige vermutlich abgestürzt.

Der Hausmeister hatte den Mann kurze Zeit später leblos auf dem Boden des Aufzugsschachtes gefunden. Der 37-Jährige hatte noch den Alarmknopf gedrückt, ehe er versuchte, sich selbst zu befreien.

Ein Nachbar der Eltern, in deren Wohnung der Verunglückte nach dem Rechten sehen wollte, eilt neben dem gesperrten Fahrstuhl durchs Treppenhaus. "Wir sind alle betroffen", sagt er. Man fühle mit der Familie mit. "Was will man aber jetzt noch machen?"

Den Lift benutze er nie. Und das kann Ellen Brückmann auch verstehen. Beide Aufzüge in dem Ärzte-, Geschäfts- und Wohnhaus seien baugleich. "Sie sind ewig langsam und rappeln ziemlich", berichtet die Solingerin. "Ich habe mir schon öfters Gedanken gemacht, ob man darin nicht eines Tages steckenbleibt. Aber ich habe den Eindruck, dass in Solingen verschiedene technische Einrichtungen erst dann gewartet werden, wenn etwas passiert ist."

Die Ermittlungen der Polizei zu dem Unglück dauern an.

(RP)
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