Solingen: Unfallstatistik bereitet Polizei Sorgen

Solingen : Unfallstatistik bereitet Polizei Sorgen

Bei fast gleichbleibenden Unfallzahlen gibt es fast 17 Prozent mehr Verletzte, viele von ihnen sind Fußgänger. Diese Zahlen präsentierte die Polizei bei der Vorstellung ihrer Unfallstatistik.

Klare Worte findet Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher: "Wir sind mit der Entwicklung nicht zufrieden". Die Unfallzahlen sind im bergischen Städtedreieck wie auch im Land NRW im vergangenen Jahr gestiegen und damit auch die Zahl der Verletzten. Auch materiell ist der Schaden immens: Bei 22 260 Verkehrsunfällen entstanden Kosten von mehr als 200 Millionen Euro. Grund genug für die Polizei, in diesem Jahr neue Strategien zur Unfallbekämpfung anzukündigen.

Auch 2014 war unangepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache, sagt die Polizeipräsidentin. Daher werden sich die Autofahrer im bergischen Städtedreieck wieder auf den 24 Stunden-Blitz-Marathon einstellen müssen. Für solche Aktionen findet die Polizei nicht bei allen Verkehrsteilnehmern Verständnis. Man solle lieber Diebe fangen, bekommen die Polizeibeamten oft zu hören. Birgitta Radermacher sieht das anders: "Es gibt Beamte in meiner Behörde, die in der Tat nichts Besseres zu tun haben, als die Geschwindigkeit im Straßenverkehr zu überwachen".

Schwer verletzt wurde der Fahrer dieses Pkw, der am 15. Oktober auf der Weyerstraße gegen einen Baum gefahren war. Foto: mak (Archiv)

Dass dies nötig ist, zeigt sich vor allem in so sensiblen Bereichen wie vor Schulen. Von 244 282 Fahrzeugen, die vor Schulen im bergischen Städtedreieck kontrolliert wurden, mussten 13 603 beanstandet werden, knapp 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Beanstandungsquote hat sich deutlich erhöht - für die Polizei ein Grund, auch 2015 dort gezielt zu kontrollieren.

Um schon die Jüngsten für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren, gibt es weiterhin Verkehrserziehung in Kindergärten und Schulen sowie für Jugendliche Crashkurse, bei denen es um Unfallfolgen geht. Eine ganz andere Form der Geschwindigkeitsüberwachung übernehmen die Fahrer des Pro Vida-Krades, die auch andere Zweiradfahrer kontrollieren. An 51 Einsatztagen zwischen März und Oktober wurden 286 Verstöße auch von Pkw und Lkw festgestellt. In 67 Fällen war die Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit so gravierend, dass Fahrverbote die Folge waren. Der Spitzenreiter wurde auf der Viehbachtalstraße mit 171 Kilometern pro Stunde bei erlaubten 100 erwischt.

Mit dem Ausbau des Trassennetzes im Bergischen Land hat sich auch die Zahl der Fahrradfahrer erheblich erhöht. Für die Polizei Grund für eine Präventionsaktion auf der Balkantrasse zwischen Remscheid und Wuppertal, wo um gegenseitige Rücksichtnahme unter Radfahrern, Joggern, Spaziergängern und Hundebesitzern geworben wurde. Positiv aufgefallen ist den Polizeibeamten dabei die hohe Zahl von Radfahrern, die einen Helm trugen. Mit Fahrradstreifen will die Polizei auch 2015 für mehr Sicherheit auf den beliebten Trassen sorgen.

Wie auch landesweit will die Polizei gegen Fahrzeugführer vorgehen, die sich beim Fahren durch elektronische Medien ablenken lassen. Schon ein kurzer Blick aufs Handy-Display kann im Straßenverkehr fatale Folgen haben, wissen die Experten der Polizei.

"Mehr als 90 Prozent der Verkehrsunfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen", sagt der Leiter der Direktion Verkehr im Wuppertaler Polizeipräsidium, Polizeioberrat Ernst Adam.

(aki)
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