Unfall in Merscheid: Lkw reist Oberleitung ab - Feuerwehr und Polizei im Einsatz

Verkehrschaos nach Unfall in Merscheid : Lkw schlägt Schneise der Verwüstung

Großeinsatz für Feuerwehr und Polizei: Ein Kipper-Fahrzeug hat am Donnerstag mit seinem Haken in Merscheid Oberleitungen abgerissen. Die Folgen sind massiv: Häuser und Autos wurden beschädigt, es gab ein Verkehrschaos.

Ein Zeuge fühlte sich auch noch Stunden nach dem Unfall an einen schlechten Film erinnert. „Normalerweise sieht man so etwas nur im Fernsehen“, sagte der Mann sichtlich schockiert – wobei am Ende vor allem die Erkenntnis blieb, dass alles noch viel schlimmer hätte kommen können. Denn ein 28-jähriger Lastwagenfahrer hat am Donnerstagmorgen mit dem Haken seines Kipper-Fahrzeuges an der Kreuzung Merscheider Straße / Bebelallee in Merscheid mehrere hundert Meter der Obus-Leitungen abgerissen und so eine regelrechte Schneise der Verwüstung hinterlassen.

Dabei grenzt es tatsächlich an ein Wunder, dass bei dem schweren Unfall niemand verletzt wurde. Als die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei nämlich kurz nach der ersten Alarmierung gegen 9.30 Uhr am Ort des Geschehens eintrafen, bot sich den Rettern ein chaotisches Bild. Überall hingen die Drähte der Oberleitungen ab, Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen, die Auslagen von Geschäften lagen auf der Straße, Häuserfassaden und geparkte Autos wiesen teils heftige Schäden auf.

◁ Die Auslage dieses Blumengeschäfts wurde von herunterfallenden Trümmerteilen zerstört. ▷ Risse an den Fassaden und ein umgeknickter Ampelmast: Die genaue Schadenshöhe steht noch nicht fest. Foto: Meuter, Peter (pm)

Was wiederum damit zusammenhing, dass dem eigentlichen Unfallgeschehen eine Art Kettenreaktion folgte. Denn nachdem der Lkw zunächst die Oberleitung erwischt hatte, schnellten die Drähte mit lautem Krach und hoher Geschwindigkeit gegen die anderen Fahrzeuge. Aus Gebäudewänden brachen etliche Verankerungen der Obus-Leitungen heraus. Und auch zwei Masten der Oberleitungen sowie die Ampelanlage an der Kreuzung wurden zerstört.

Mehrere hundert Meter Oberleitung müssen ersetzt werden. Foto: Meuter, Peter (pm)

Nach dem Unfall brach der Verkehr in der näheren Umgebung fast vollständig zusammen, da die Merscheider Straße zwischen Herzogstraße und Junkerstraße gesperrt werden musste. Betroffen waren zudem die Kreuzung Bebelallee / Schwarze Pfähle sowie einige Nebenstraßen. Erst gegen Abend beruhigte sich die Lage allmählich wieder.

Foto: Meuter, Peter (pm)

Bei den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke Solingen (SWS) dürfte eine Normalisierung allerdings noch etwas länger auf sich warten lassen. „In den nächsten Tagen wir es auf jeden Fall weiter zu Einschränkungen kommen“, sagte eine SWS-Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion.

Ein Zustand, auf den sich die Buskunden am Donnerstag schon einmal einstellen konnten. Beispielsweise musste die Linie 681 ab der Haltestelle Stadtwerke über die Höher Straße sowie die Zeppelinstraße in beiden Richtungen umgeleitet werden, derweil die 693 von Aufderhöhe kommend zuerst auf den Linienweg der 694 nach Ohligs und später in Richtung Wald auf die Strecke der 682 auswich.

Zur Höhe des entstandenen Sachschadens vermochten weder Stadtwerke, noch Polizei am Donnerstag nähere Angaben zu machen. „Wir müssen erst einmal sehen, was genau alles kaputt gegangen ist“, betonte die Sprecherin der Solinger Verkehrsbetriebe, während die Polizei darauf hinwies, die genaue Gewichtung der Unfallfolgen werde mit Gewissheit mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Auch die genaue Unfallursache blieb zunächst unklar. „Die anschließenden Untersuchungen zum Hergang müssen zeigen, ob es sich um einen technischen Defekt oder um einen menschlichen Fehler gehandelt hat“, sagte ein Sprecher der Polizei, nachdem seine Kollegen und auch die aus allen drei Berufswachen angerückten Feuerwehrleute ihren Einsatz vor Ort am späten Donnerstagnachmittag beendet hatten.

Zu diesem Zeitpunkt waren die gröbsten Schäden zur Seite geräumt. Und auch der Verkehrsfluss normalisierte sich in der Rushhour langsam wieder. Weiterhin sichtbar waren hingegen die Folgen des Unfalls. So waren an einem Blumengeschäft die große Schaufensterscheibe zu Bruch gegangen sowie die Auslagen, die vor dem Laden aufgestellt gewesen waren, in Gänze zerstört worden. Und an den Fassaden von in Mitleidenschaft gezogenen Häusern taten sich tiefe Risse auf.

„Man kann wirklich nur von Glück reden, dass bei dem Unfall keine Menschen zu Schaden gekommen sind“, sagte eine Frau, die in der Gegend lebt und wie die meisten Nachbarn durch den Krach des Unfalls am Vormittag aufgeschreckt worden war.

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