Solingen: Unermüdlicher Kämpfer für den Frieden

Solingen : Unermüdlicher Kämpfer für den Frieden

Seine Kritiker nennen ihn "Nestbeschmutzer". Doch davon lässt sich Reuven Moskovitz nicht aus der Ruhe bringen. In Rumänien geboren, hat Reuven Moskovitz in Israel seine Heimat gefunden. Eine Heimat, die er liebt, in der er glücklich geworden ist und für die er kämpft. "Israel ist das schönste Land der Welt", ruft er enthusiastisch ins Publikum im Solinger Kunstmuseum.

Hierhin hatten das Museum für verfolgte Kunst und die Bergische Volkshochschule eingeladen zum Vortrag "Hat Israel eine Friedenspolitik?" Zahlreiche Besucher waren dieser Einladung gefolgt. Das Interesse war so groß, dass immer mehr Stühle herbeigeschafft werden mussten, so dass am Ende über doppelt so viele Menschen Platz fanden, als ursprünglich erwartet. Israel ist das schönste Land. Doch der 83-Jährige setzt ein "aber" hinter diese Aussage. "Aber wie hässlich ist es geworden durch diese Mauer." Reuven Moskovitz ist ein Friedensaktivist mit Leib und Seele. Mit all seiner Kraft setzt er sich für die Versöhnung von Palästina und Israel ein, genauso wie für die Aussöhnung von Deutschland und Israel.

Dabei scheut er es nicht, sein geliebtes Heimatland heftig zu kritisieren. "Israel folgte dem Mythos, dass das Land nur uns gehört." Er bezichtigt Israel, in einen Machtrausch gefallen zu sein, der zu einer fatalen Maßlosigkeit geführt hat. "Was von Israel ausgeht, ist Misstrauen und Dämonisierung." Die Angst der Bürger Israels würde dauernd manipuliert. Genauso wie die öffentliche Meinung.

Heftige Diskussion

So ist Reuven Moskovitz der festen Überzeugung: "Seit 1948 hat Israel keinen Verteidigungskrieg geführt." Er sieht den Jomkiphur-Krieg als von Israel provoziert. "Israel hat sich diesen Krieg gewünscht." Über diese Aussage entbrannte im Anschluss eine heftige Diskussion, die Reuven Moskovitz mit ungeheurer Leidenschaft führte.

Doch was schlägt der Friedensaktivist vor, der sich schon mal auf einem kleinen Katamaran mit acht weiteren Juden auf die Reise nach Gaza macht, in der Absicht, dort symbolisch Medikamente und Mundharmonikas zu verteilen, um "Feinde zu Freunden zu machen" und dann von der eigenen Armee in internationalem Gewässer überrollt und verhaftet wird. "Wir verstricken uns in einen Krieg, bei dem es nur Verlierer gibt", betont er. "Wir müssen aussteigen von dieser Richtung der Konfrontation."

Von Deutschland erhofft er sich dafür ein unterstützendes Mitwirken. Und erklärt: "Es ist eine gefährliche Entwicklung, dass jedes Wort Kritik an Israel als Antisemitismus gilt." Reuven Moskovitz bezeichnet die Staatsform Israels als Ethnogratie – Demokratie, die nur für Juden gilt und ist überzeugt: "Israel hat keine Friedenspolitik." Doch hört er nicht auf, dafür zu kämpfen. "Es gibt keine Alternative zu Frieden, zu Zurückhaltung, zu Liebe."

(sue)