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Solingen: Überblick verschafft

Solingen : Überblick verschafft

Joachim Kardinal Meisner hat bei seiner Visitation im Stadtdekanat Solingen „sehr vitale, dynamische Gemeinden erlebt“. Ehe und Familie werden in Zukunft zum Schwerpunkt in der katholischen Kirche.

Joachim Kardinal Meisner will Christus für die Menschen berührbar machen. „Deshalb gehe ich auch in Uniform durch die Stadt.“ Wenn die Leute den Erzbischof von Köln mit dunkler Soutane, scharlachrotem Zingulum (Gürtel), Pileus auf dem Kopf und Kreuz um den Hals sehen, denken sie entweder, dort sei ein Verrückter unterwegs, oder sie werden an Gott erinnert. So sieht Kardinal Meisner das jedenfalls und hat den Solingern in den zurückliegenden zweieinhalb Wochen reichlich Gelegenheit dazu gegeben. Bei seiner Visitation des Stadtdekanates Solingen hat er zahlreiche Gottesdienste gefeiert, er hat sich mit Kirchenvorständen und Firmlingen getroffen, Einzelgespräche mit den katholischen Seelsorgern geführt, die St. Lukas-Klinik und das Städtische Klinikum besucht sowie am Religionsunterricht der Grundschule Schützenstraße teilgenommen. Gestern Vormittag war er unter anderem im Josef-Haus Krahenhöhe zu Gast.

„Ich habe überall sehr vitale, dynamische Gemeinden erlebt“, fasste er seine Eindrücke gegenüber unserer Zeitung zusammen. Er werde dankbarer nach Köln zurückfahren, als er hergekommen sei. Von Köln aus schaue er auf das Stadtdekanat Solingen wie auf eine Buttercremetorte. „Ich sehe nur die Oberfläche“, sagte er. Die Visitation habe es ihm ermöglicht, gleichsam jedes Stück herauszuschneiden, und die Schichtung, also den Gehalt zu erkennen. Sehr berührt hat Joachim Kardinal Meisner die Firmung eines jungen Wachkoma-Patienten in Ohligs. Als er ihn angesprochen habe, habe der Patient den Mund bewegt, die Augen geöffnet. „Solche Patienten bekommen mehr mit, als sie zeigen können.“ Der Erzbischof bedauert, dass Kranke und Alte in der Gesellschaft häufig an den Rand gestellt werden. „Sie gehören in das Herz der Kirche.“

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Nähe und Nachbarschaft

Solingen erinnert ihn an Berlin, wo er vorher Bischof war. Berlin sei aus vielen kleinen Orten zusammengewachsen. Ähnlich sei es in Solingen mit Wald, Ohligs, Gräfrath und all den anderen Stadtteilen. „Das macht die Stadt menschlich.“ Man kenne sich in der Nachbarschaft. Das sei sehr vorteilhaft.

Die Pfarrer stehen für ihn in Zukunft verstärkt vor der Aufgabe, die Gemeinden mitzunehmen, um über die Pfarrgemeindegrenzen hinaus zusammen zu arbeiten. Er habe aber beobachtet, dass das Beharrungsvermögen sehr groß sei. Ehe und Familie werden nach seinen Worten zu einem Schwerpunkt in der katholischen Kirche. „Junge Menschen brauchen Verlässlichkeit. Wir müssen ihnen helfen“, betonte Joachim Kardinal Meisner.

(RP)