Der Klingenpfad (4): Über Berg und Tal zur Talsperre

Der Klingenpfad (4): Über Berg und Tal zur Talsperre

Redakteure und Mitarbeiter unserer Zeitung machen sich auf die Wanderung und erleben den Klingenpfad.

Vielleicht hätte ich eine Spur aus Brotkrumen legen sollen, so wie Hänsel und Gretel. Das würde die Chancen steigern, zurück zu finden, wenn mal wieder kein "S" als Zeichen für den Klingenpfad an Bäumen, Straßenschildern oder Zäunen zu entdecken ist. Neun Kilometer soll der Weg von Höhrath nach Glüder laut Plan lang sein - bei mir werden es deutlich mehr. Immer wieder komme ich vom Weg ab.

Ich starte vom Parkplatz Angerscheid. Auf der asphaltierten Talsperrenstraße führt der Weg zunächst an der Gaststätte "Höhrather Hof" vorbei. So weit, so gut. Wenige Meter später verlaufe ich mich das erste Mal. Weil ich das Zeichen für den Klingenpfad auf einem "Anlieger frei"-Schild, das halb in einer wuchernden Hecke verschwindet, übersehe, muss ich nach einigen hundert Metern umkehren - und nehme diesmal den kleinen Feldweg, an dem das Schild steht.

Der Weg ist schmal, aber gut befestigt. Doch leider führt er an eine Gabelung, an der erneut keine Zeichen zu entdecken sind - zumindest nicht die des Klingenpfads. Links oder rechts ? Ich weiß es nicht. Ich entscheide mich für links, die Richtung, in die der Brezel-Wanderweg ausgeschildert ist. Nach wenigen Metern taucht auch wieder das Klingenpfad-Zeichen auf, das an einen Baum gesprayt wurde. Glück gehabt.

Der Beginn der Etappe verläuft holprig, oft sind die Beschilderungen für mich - einen eher ungeübten Wanderer - zu spät angebracht oder schlecht zu entdecken. Gerade an Gabelungen bräuchte ich mehr Orientierung.

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Die Strecke wird nun breiter und ist gut befestigt - weshalb sie auch von Forstwirtschafts-Fahrzeugen genutzt wird. Entlang des Sengbachs schlängelt sich die Straße, laut Karte der Von-Sachs-Weg, am Wald entlang - oder durch ihn hindurch. Spaziergänger treffe ich nur selten, dafür einige Mountainbiker, die das hügelige Profil der Route auskosten. Im Sengbach taucht nun rechterhand ein Wehr auf, das den Fluss unterteilt. Wenig später sieht man den nächsten Eingriff in die Natur: Frontal laufe ich auf eine hohe Brücke zu, die den Brucher Bach überquert. Der Lärm der Autos auf der Autobahn A1, die über die Brücke führt, ist auch hier unten im Tal noch deutlich zu hören.

Dann kommt der Höhepunkt der Wanderung: Es geht immer weiter den Hügel hinauf, bis man weit über der Wasserlinie von einem hohen Aussichtspunkt aus über den Sengbach Richtung Remscheid blicken kann. Wer hier kurz rasten möchte, muss noch einmal kraxeln: Die Bank ist rund zwei Meter oberhalb des Weges aufgestellt. Es ist eine der wenigen Möglichkeiten zum Verweilen auf dem rund neun Kilometer langen Weg. Bänke zum Ausruhen sind Mangelware.

Ich bleibe ein wenig, genieße die Aussicht - und höre plötzlich in den Zweigen Geraschel. Es ist keine Menschenseele zu sehen, dafür springt ein Reh aus dem Gebüsch, schlägt einen Haken und verschwindet so plötzlich, wie es aufgetaucht ist. Natürlich habe ich damit gerechnet, dass es hier Wild geben würde. Die vielen Hochsitze der Jäger am Wegesrand waren Hinweis genug. Aber dass ich einem Reh so nahe kommen würde, hat mich dann doch sehr erstaunt.

Steil geht es danach bergab. Statt den gut ausgebauten Weg zu nehmen, müssen Wanderer rechterhand einen schmalen Klettersteig hinunter, der im Wald verschwindet. Spätestens hier dürfte sich jeder ärgern, der auf festes Schuhwerk verzichtet hat. Der Weg führt direkt zur Sengbachtalsperre, die beim Klingenpfad jedoch nicht überquert wird. Stattdessen biegen Wanderer nach links ab und folgen dem Weg über zwei kleine Holzbrücken Richtung Glüder. Hier stößt man wieder auf den Schmitz-Lenders-Weg und wenig später auf die Kreisstraße K4, die direkt zum Campingplatz Glüder führt. Geschafft.

(RP)
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