Solingen: Über 1000 Bürger gegen Gewerbegebiet

Solingen : Über 1000 Bürger gegen Gewerbegebiet

Bürgerinitiative "Schützt den Schrodtberg" zeigt sich enttäuscht über die Resonanz einer Briefaktion an die Stadtratsmitglieder und überlegt, mit eigenen Kandidaten bei der Kommunalwahl im Mai 2014 anzutreten.

Die kontroverse Diskussion über das geplante 4,6 Hektar große Gewerbegebiet Schrodtberg hält an. Nach einer Bürgerversammlung am 18. November im alten Hauptbahnhof können bis einschließlich heute Bürger im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung ihre Kritik beziehungsweise Anregungen zum Bauleitverfahren für das Gebiet nördlich der Straße Stöcken (L 427), südöstlich der Peter-Rasspe-Straße sowie der Straße Schrodtberg und südwestlich der Straße Kohlfurth schriftlich bei der Stadt einreichen.

Die Bürgerinitiative "Schützt den Schrodtberg" tut dies mit einem umfangreichen, acht Seiten umfassenden Brief: "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie desinteressierte und verantwortungslose Kommunalpolitiker aller Couleur die Landschaft unserer Heimatstadt Solingen auf dem Altar der 'Wirtschaftsförderung' opfern", erklären in dem Brief Marius und Sigrid Stiehler vom Vorstand der Bürgerinitiative.

Die Forderung der Bürgerinitiative ist klar: Die betreffende Fläche soll nicht länger als Gewerbegebiet, sondern als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden. "Natürliche Landschaft kann nur einmal, und zwar unwiederbringlich, zerstört werden. Diesen Akt der Zerstörung wollen wir mit allen Rechtsmitteln verhindern", erklärt die Bürgerinitiative in ihrer Stellungnahme zum Vorentwurf des Bebauungsplans D 269.

Mehr als 1000 Solinger haben sich bislang gegen das geplante Gewerbegebiet und für die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes per Unterschrift ausgesprochen. In der Sitzung des Stadtrates am 12. Dezember will die Bürgerinitiative in der Einwohnerfragestunde Oberbürgermeister Norbert Feith "die eintausendste und weitere Anregungen" übergeben.

Enttäuscht zeigt sich die Bürgerinitiative von der Resonanz ihrer Briefaktion. Alle 72 Ratsmitglieder seien angeschrieben worden. Nur drei antworteten: CDU-Fraktionsvorsitzender Bernd Krebs, Gabriele Gärtner (Solingen Aktiv) und Ulrich Hohn (FBU): "Die Verwaltung spielte nicht mit offenen Karten, die Bürger fühlten sich nicht ernst genommen", erklärte Hohn in einer Pressemitteilung nach der Bürgerversammlung.

Die Bürgerinitiative "Schützt den Schrodtberg" denkt angesichts dieser geringen Unterstützung der Ratsmitglieder ernsthaft darüber nach, bei der nächsten Kommunalwahl im Mai 2014 "mit eigenen Kandidaten in Konkurrenz zu den etablierten Parteien und Wählergruppen zu treten, "um ein Pfund Sand im Getriebe der Politik des Ausverkaufs von Natur und Landschaft in Solingen zu sein"." Ebenso überlegt die Initiative derzeit, auch bei der Oberbürgermeisterwahl 2015 einen "jungen Kandidaten" gemäß dem Monheimer Beispiel ins Rennen zu schicken.

So will man "die verkrusteten Verhältnisse in Solingen so lange aufmischen, bis die Karten ganz grundsätzlich neu verteilt sind". "Wer die heimische Wirtschaft nicht anders als durch Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen von Mensch, Tier und Pflanze fördern kann, mag sich eine andere Betätigung suchen", erklären Marius und Sigrid Stiehler für die Bürgerinitiative und ergänzen: "Wir brauchen nicht noch mehr Verkehr, Lärm und Gestank."

(RP)
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