TSV Solingen: Inklusives Fußball-Projekt trägt Früchte

Tag der Menschen mit Behinderung : Inklusives Fußball-Projekt trägt Früchte

Die Mannschaften für Kinder mit und ohne Behinderungen beim TSV Solingen haben weiter regen Zulauf. Auch die Höhscheider Freilufthalle ist zweieinhalb Jahre nach ihrer Eröffnung gut ausgelastet.

Ob als „Primus des Monats“ der Stiftung Bildung und Gesellschaft, Preisträger bei den „Sternen des Sports“ der Volksbanken oder geehrter Gast auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten in Schloss Bellevue – mit Auszeichnungen kennt sich Thorsten Marks inzwischen aus.

Was aber das Wichtigste abseits des Blitzlichtgewitters ist: Das Konzept der inklusiven Fußballmannschaften, die der evangelische Pastor und Jugendtrainer seit 2014 beim Sport-Ring Solingen aus der Taufe hob, geht offenbar auf: Vier Mannschaften mit insgesamt 80 Mädchen und Jungen – von der U 10 bis zur U 18 – entstanden innerhalb kurzer Zeit.

Und die Anzahl der teilnehmenden Kinder mit und ohne Behinderungen halte sich auf diesem Level, freut sich Marks – und berichtet: „Es hat sich ergeben, dass wir immer wieder Spieler auch in andere Mannschaften vermitteln können.“ So habe sich ein „durchlässiges System“ gebildet, wie es der Grundgedanke der Inklusion vorsieht. Zulauf bekomme die Gruppe nach wie vor aus den Nachbarstädten wie Remscheid oder Hilden. Denn gerade das Fehlen von Fußball-Angeboten für Kinder mit Behinderungen in der Region hatte den Stein einst ins Rollen gebracht.

2017 eröffneten Marks und seine Mitstreiter ihr Leuchtturm-Projekt an der Neuenkamper Straße: die von Netzen umschlossene Freilufthalle, für die der Verein aus Eigenmitteln und Sponsoring 400.000 Euro aufbrachte. Sie sollte nicht nur dem höheren Platzbedarf Rechnung tragen, sondern durch den begrenzten Raum auch den speziellen Anforderungen an die Arbeit mit behinderten Kindern Rechnung tragen.

Inzwischen ist die Halle von der Sport-Anlage kaum mehr wegzudenken: „Die Auslastung ist, mit natürlichen Schwankungen, sehr gut“, betont Marks. Neben den inklusiven Fußballmannschaften trainieren auf dem 30 mal 15 Meter großen Spielfeld auch Hobbymannschaften sowie Gruppen von Lebenshilfe, Jugendhilfe Hossenhaus – und mitunter in den Wintermonaten auch andere Mannschaften des TSV Solingen, in dem seit dem Frühjahr TSV Aufderhöhe und Sport-Ring verschmolzen sind. Hinzu kommen Kindergeburtstage und spezielle Angebote für den Nachwuchs, wie Ballsport für Kinder zwischen zwei und fünf Jahren oder ein Reha-Training für Jugendliche mit geistigen Behinderungen. „Es gibt aber immer noch Kapazitäten“, sagt Marks, der auch das Miteinander mit den Anwohnern des Platzes hervor hebt: Diese seien sehr aufmerksam und stünden hinter dem Angebot.

Das hat auch im Verein weitere Kreise gezogen: Mit der Aktion Mensch als Partner will der TSV weitere Inklusionsprojekte umsetzen. Seine Berufung ist für Thorsten Marks inzwischen zu einer festen Anstellung geworden: Er ist beim TSV Solingen Inklusionsmanager. Als solcher trägt er seine Ideen auch auf Vorträgen an andere Vereine weiter: „Es geht uns nicht darum, ein Alleinstellungsmerkmal zu haben, sondern auch andere zu motivieren.“

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