Solingen: Tschernobylkinder nehmen Abschied

Solingen : Tschernobylkinder nehmen Abschied

Mit viel Hingabe sangen und tanzten die Kinder auf der Bühne des evangelischen Gemeindezentrums an der Tersteegenstraße. Nach vier Wochen in Solingen verabschieden sich die Teilnehmer des Austauschprogrammes mit dem weißrussischen Belynitschi am kommenden Sonntag. Zu diesem Anlass feierte der Verein "Kinder von Tschernobyl/Solinger Hilfe für Minsk" noch einmal mit den 43 Kindern, ihren Betreuern, Gastfamilien und Organisatoren.

Die Kinder hätten den Austausch sehr genossen, berichtete Sinaida Bajarowa, Ansprechpartnerin für den Verein in Weißrussland. Nur zu Beginn hätten einige etwas Heimweh gehabt. "Die Kinder sind sehr dankbar", sagte auch Feodora Lehmann, die seit acht Jahren im Rahmen des Programms Kinder aufnimmt. "Einen Jungen haben wir mal zu Hause besucht", erzählte ihr Ehemann Hartmut Lehmann. "Das ist schon eine andere Welt."

Die Verständigung laufe oft mit Händen und Füßen, manche Kinder aus der ehemaligen Sowjetrepublik könnten allerdings auch deutsch, sagte Christian Butz, Vorsitzender des Vereins. Seit vielen Jahren engagiert er sich für das Land, das unter den Folgen der Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl leidet. Neben dem Austausch organisiert "Kinder von Tschernobyl" Hilfsgüter für das Krankenhaus von Belynitschi und kümmert sich besonders um krebskranke Kinder in der verstrahlten Region.

Sinaida Bajarowa gab einen Einblick in die Lage des von Inflation gebeutelten Landes: "Wir sind alle Millionäre, aber können uns nichts leisten." Bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 200 Euro sind die Preise in Weißrussland vergleichbar mit denen in Deutschland, mitunter sogar noch höher. "Taschentücher sind bei uns dreimal so teuer wie in Deutschland", sagte Bajarowa.

Die Teilnehmer des Austausches im Alter zwischen neun und 14 Jahren, die aus kinderreichen Familien oder auch aus Heimen stammen, kamen bei Gastfamilien oder im Naturfreundehaus unter. Sie unternahmen Ausflüge in den Wuppertaler Zoo, zur Minigolf-Anlage von Elsa Böhm und ins Phantasialand. Sinaida Bajarowa versicherte: "Alle wollen gern wiederkommen."

(RP)
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