Solingen: Trostloses Ende für Stadion-Pläne

Solingen : Trostloses Ende für Stadion-Pläne

Das Konzept, das Gelände des Ohligser Stadions als Bauland zu vermarkten, erweist sich als unwirtschaftlich. Das ergab ein gestern im Sportausschuss vorgestelltes Gutachten.

Es ist ein Trauerspiel: Annähernd zwei Jahre ist es er, als die Kicker von Union Solingen zum letzten Mal im Stadion am Hermann-Löns-Weg aufliefen. Bereits 2010 hat die Stadt mit dem Votum der Politik den Abschied besiegelt vom alten Stadion in Ohligs, das ruhmreiche Zweitliga-Zeiten erlebt hatte. Ein Sparbeschluss, der Fußball-Fans ans Herz gegangen ist.

Jetzt dürften so manche Emotionen wieder hochkochen. Denn die seit gut zwei Jahren verfolgten Pläne, die alte Spielstätte der Union abzureißen und das rund 30 000 Quadratmeter große Areal mit dem Stadion selbst, aber auch dem Nebenplatz sowie dem Parkplatz als Bauland zu verkaufen, sind Makulatur. Mit dieser Schlussfolgerung aus dem Abschluss-Gutachten sind die Sportpolitiker gestern im Ausschuss per Tischvorlage konfrontiert worden.

"Die Ergebnisse sind wenig befriedigend", sagt Kämmerer Ralf Weeke und erklärte "die Maßnahme zur Haushaltssicherung als gescheitert". Im ersten Entwurf hatte noch ein geschätzter Erlös von drei Millionen Euro gestanden, der zuletzt auf die Hälfte reduziert worden war. Gestern präsentierte Weeke als Ergebnis des Baugrund-Gutachtens ein Minus von 1,15 Millionen Euro.

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Dass von dem Verkaufserlös von 4,8 Millionen Euro nichts übrig bleibt, ist ganz besonders mit der Entsorgung verschiedener Altlasten begründet. Sandiger Untergrund, aber zum Teil auch Fels und ein ohnehin hoher Grundwasserstand im feuchten Ohligser Unterland — all dies würde die Kosten in die Höhe treiben. In der Summe steht ein Mittelwert von 2,7 Millionen Euro. "Dieser Betrag hat unsere Vorstellungskraft überschritten", gibt Ralf Weeke zu.

Fazit: Ein gänzlich unwirtschaftliches Unterfangen ist das verfolgte Konzept des Stadion-Abrisses und der Vermarktung von Baugrundstücken, dessen Bestandteil zugleich auch die Errichtung einer zweiten Kunstrasenanlage an der Höher Heide in Aufderhöhe ist. Dieser Sportplatz sollte aus dem angedachten Bauland-Verkauf am Hermann-Löns-Weg bezahlt werden und wäre Ersatz für den derzeit unter anderem noch vom Ohligser FC bespielten Nebenplatz am alten Stadion.

"Das ist kein Ruhmesblatt der Verwaltung", sagt Sportausschuss-Vorsitzender Ernst Lauterjung (SPD) über das zerplatzte Stadion-Konzept nach so langer Planungszeit. Lauterjung fordert in einer ersten Stellungnahme im Gespräch mit unserer Zeitung: "Jetzt müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden". Dann, so eine Alternativ-Überlegung des gewieften SPD-Mannes, sei das Stadion eben abzureißen, der Nebenplatz könne bestehen bleiben. Ähnlich wie am Schaberg könne das Rasenspielfeld erhalten bleiben.

Bei der Verwaltung wird dem Vernehmen nach kein Gedanke mehr darauf verschwendet, das alte Stadion zu sanieren. Die Befürchtung, ein Millionengrab zu schaufeln, ist groß.

Bereits in diesem Sommer hatte sich die Sportverwaltung in einem mit Kämmerer Ralf Weeke und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter abgestimmten Papier für den Sportausschuss mit Entschiedenheit gegen den weiteren Betrieb des Hermann-Löns-Stadions ausgesprochen: "Es entspricht technisch als auch sportfachlich nicht mehr heutigen Standards für ein Stadion dieser Größenordnung." Zudem sei das Stadion mit dem in der Unterhaltung so teuren Naturrasen für einen Spielbetrieb in unteren Ligen gänzlich überdimensioniert.

(RP/rl/url)