Solingen: Traumberuf ist der Kfz-Mechatroniker

Solingen : Traumberuf ist der Kfz-Mechatroniker

717 Lehrstellen wurden im Ausbildungsjahr 2013/14 angeboten, etwas mehr als im Vorjahr. Gegenüber 2007 ist das Lehrstellenangebot um rund 40 Prozent gesunken. 73 Jugendliche sind noch auf der Suche nach einer Lehrstelle.

Der Kfz-Mechatroniker steht bei jungen Männern hoch im Kurs bei der Wahl des Ausbildungsberufes, bei den Mädchen steht die medizinische Fachangestellte als Traumberuf an erster Stelle, gefolgt von der Kauffrau im Einzelhandel und der Verkäuferin. Aber trotz der Vielzahl der Ausbildungsmöglichkeiten beschränken sich die Wunschberufe der Jugendlichen immer noch auf lediglich eine überschaubare Anzahl. "Hier haben wir keine Fortschritte gemacht, Jugendliche für eine breitere Berufswahl begeistern zu können", räumte gestern der Chef der Arbeitsagentur Solingen-Wuppertal, Martin Klebe, ein.

Positiv konnte er zum Abschluss des Ausbildungsstellenjahres 2013/2014 aber hervorheben, dass die Zahl der von Unternehmen angebotenen Ausbildungsplätze gegenüber dem Vorjahr leicht um 19 auf 717 gestiegen ist. Das ist immerhin ein Silberstreif am Horizont des Solinger Ausbildungsmarktes. Denn seit 2007 ist das Lehrstellenangebot in der Klingenstadt um gut 40 Prozent gesunken. 2007 stellten Unternehmen und Verwaltungen noch 1170 Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Auch die Zahl der Bewerber, die über die Arbeitsagentur eine Lehrstelle suchten, stieg, und zwar um 27 auf 1483. Rein rechnerisch kamen so auf eine Stelle zwei Bewerber. Ein weiterer Schulbesuch und anderweitige Ausrichtungen führten dazu, dass aktuell noch 52 Lehrstellen unbesetzt und 73 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Davon gibt es zumindest im Handwerk noch etliche. "Wir suchen weiter Nachwuchs, wir haben noch Stellen in allen Bereichen, auch im Baugewerbe", erklärte Kreishandwerksmeister Kai Buschhaus, "und wir bieten auch Aufstiegschancen - über den Meister bis hin zum Studium". Das werde aber leider bei Jugendlichen nicht so wahrgenommen, obwohl die Kreishandwerkerschaft dies immer wieder propagiert.

Eine Einschätzung, die auch der Geschäftsführer der Remscheider Kreishandwerkerschaft, Fred Schulz, und Sascha Bomann, Leiter der Lehrlingsabteilung der Kreishandwerkerschaft Wuppertal, nur unterstreichen können: "Wir bieten hoch qualifizierte Berufe mit Zukunft an", sagte Schulz, "aber es fällt zunehmend schwer, junge Leute fürs Handwerk zu begeistern", ergänzte Bomann.

600 Auszubildende, über alle Lehrjahre verteilt, erlernen derzeit einen Beruf im Solinger Handwerk. 213 neue Ausbildungsverträge wurden im Verlauf dieses Jahres abgeschlossen. "Der Schwerpunkt liegt hier im Bereich Kfz-Mechatroniker sowie im Maler- und Elektrogewerbe", sagte Kreishandwerksmeister Buschhaus. "Völlig schwach" bezeichnet er dagegen die Nachfrage für Lehrstellen im Lebensmittelhandwerk wie beispielsweise für Bäcker oder Fleischer.

Einen "Trend zu Akademisierung" hat Carmen Bartl-Zorn von der Industrie- und Handelskammer (IHK) ausgemacht. "Das bereitet mir Sorge", sagte die für Aus- und Weiterbildung zuständige IHK-Mitarbeiterin mit Blick auf angebotene Lehrstellen im Handwerk oder in der Industrie. Über 2300 neue Ausbildungsverträge registrierte die IHK bis Ende September dieses Jahres, etwas weniger als im Vergleich zu Ende September 2013.

Aber bereits jetzt sollten die Jugendlichen mit ihren Bewerbungen für das nächste Jahr beginnen. "In der Industrie werden die Lehrstellen frühzeitig besetzt", sagte Bartl-Zorn. Die Lehrstellenbörse der IHK sei mit über 320 Ausbildungsstellen schon gut bestückt. Auch Kfz-Mechatroniker werden weiter gesucht.

(RP)
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