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Traditionsunternehmen im Umbruch

Scherenhersteller aus Solingen : Pfeilringwerk plant neue Fertigungshalle

Das Verfahren der Sanierung in Eigenregie wird zum 1. September eröffnet. Geschäftsführer Torsten Korb kann auf eine „motivierte und engagierte Mannschaft“ bauen. Zwei Millionen Scheren sollen 2018 gefertigt werden.

Torsten Korb ist zuversichtlich. Der Geschäftsführer des Pfeilringwerks sieht eine „motivierte und engagierte Mannschaft“ hinter sich. „Wir sind auf einem guten Weg. Und wir hoffen, einen guten Partner beziehungsweise Investor zu finden“, sagt der Chef des 1896 gegründeten Solinger Traditionsunternehmens.

Das stellt insbesondere Scheren her und hat sich weltweit mit Manicure- & Pedicure-Artikeln einen Namen gemacht. Eineinhalb Millionen Scheren waren es im vergangenen Jahr, zwei Millionen sollen es laut Torsten Korb in diesem Jahr werden. Trotz der Sanierung in Eigenregie – das Verfahren befindet sich derzeit noch im vorläufigen Stadium, zum 1.September soll dann das offizielle Verfahren eröffnet werden – geht der Geschäftsführer davon aus, dass dies gelingen wird. „Wir arbeiten unter Volldampf. Wir produzieren und liefern“, sagt Torsten Korb zur Auftragslage.

Einige Kunden zeigten sich nach dem Insolvenzantrag zwar verunsichert, andere warteten ab. Und es gab Logistikunternehmen, die dem Pfeilringwerk zunächst die kalte Schulter gezeigt haben. „Es war ein Wechselbad der Gefühle“, sagt Torsten Korb, der diese anfänglichen Probleme mit seiner Mannschaft aber beheben konnte. „Im Juni war die Auftragslage besser als erwartet“, freut sich der 56-Jährige, der seit 2001 die Geschicke beim Pfeilringwerk leitet.

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Im laufenden Sanierungsverfahren in Eigenregie zur Seite gestellt wurde dem Geschäftsführer Prof. Dr. Peter Neu von der Anwaltskanzlei ATN d’Avoine Teubler Neu. Er ist vom Amtsgericht Wuppertal zum vorläufigen Sachwalter bestellt worden. „Quasi ein Aufsichtsrat“, sagt Torsten Korb. Probleme hatte das Unternehmen von der Sudetenstraße bekommen, weil Ende April unerwartet eine Finanzierung geplatzt war. Investitionsgelder standen von heute auf morgen nicht mehr zur Verfügung – Handeln war angesagt. Zumal das Pfeilringwerk seit Jahren finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. „Bei der Rohwarenfertigung müssen wir viel Geld vorfinanzieren“, sagt Korb mit Blick auf Stahl. Auch bei Projektgeschäften mit Discountern sei das so. Zudem belastet das Unternehmen immer noch Ausgaben eines Sozialplanes von 1997.

Andererseits wurde Zug um Zug auch in hochmoderne Maschinen investiert, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Wir haben in unserem Bereich mit die modernste Fertigung weltweit“, meint Korb nicht ohne Stolz. Alte, mittelalte und neue Maschinen sind derzeit unter dem Firmendach an der Sudetenstraße zu finden. Auch Produktneuerungen, beispielsweise Scheren mit nickelfreien Beschichtungen, wurden jüngst auf den Markt gebracht und beleben das Geschäft. Aber auch der Markt hat sich nachhaltig verändert. „Es hat auf Kundenseite enorme Konzentrationen gegeben“, sagt Torsten Korb. Viele Kauf- und Warenhäuser und auch Drogeriemärkte, die Pfeilring-Produkte anboten, seien von der Bildfläche verschwunden.

Von daher heißt es für das Unternehmen mit seinen 65 Mitarbeitern – inklusive Produktionsgesellschaften sind es 90 – neue Kunden zu finden. „Auch das ist gelungen“, erklärt der Geschäftsführer, der vom Erfolg der Sanierung in Eigenregie ebenso überzeugt ist wie bei der Suche nach einem Partner: „Mit einem guten Partner können wir weiter nach vorne gehen.“

Zukunftspläne hat Torsten Korb bereits für den Firmenstandort: „Eine neue, ebenerdige Halle bauen“, sagt er. Der Verwaltungsbereich bliebe dann in den alten Gebäuden.