Solingen: Tour zu geplanten Gewerbegebieten

Solingen : Tour zu geplanten Gewerbegebieten

Mitglieder der Wirtschaftsjunioren machten sich gestern ein Bild von den möglichen Gewerbeflächen am Rande des Ittertal. Mit von der Partie waren auch die Wirtschaftsförderung und die Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal".

Die Bürgerbefragung zu neuen Gewerbeflächen ist im Gang. Befürworter und Kritiker rufen zur Beteiligung auf. Die Wirtschaftsjunioren haben aus naheliegenden Gründen ein Interesse an der Entwicklung von Gewerbeflächen. "Als junge Unternehmer sind wir sehr praktisch veranlagt", so Henner Pasch. "Wir wollen uns konkret am Objekt erklären lassen, was die Herausforderungen und Bedenken sind."

Bei einer Bustour mit 30 Teilnehmern zu den Gewerbeflächen am Rande des Ittertals hatten Frank Balkenhol, Chef der Wirtschaftsförderung, und Ingo Hill, Sprecher der Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal", das Wort. Aus Sicht Balkenhols ist die Lage eindeutig: "Die Frage ist nicht, ob wir Gewerbeflächen brauchen." Denn im Moment liege der Flächenbedarf pro Jahr bei drei bis vier Hektar, während noch 13 Hektar direkt zur Verfügung stünden. "Das Angebot ist endlich", stellt er fest. Auch alte Flächen müssten also entwickelt werden. "Wenn wir Flächen bereitstellen wollen, muss das Ziel sein, einen sehr guten Kompromiss zu finden."

Ingo Hill, Sprecher der Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal", skizziert die Entwicklung und Struktur des Solinger Gewerbes: Die Stadt habe in den vergangenen 25 Jahren 40 Prozent ihrer Industriebetriebe verloren. Zudem seien Unternehmen vorwiegend mittelständisch, ihr Flächenbedarf liege bei ein bis zwei Hektar. Bis zu 52 Hektar Flächen seien, verteilt über das Stadtgebiet, noch verfügbar. Hill erläuterte den Unternehmern auch die Ergebnisse der Raumwiderstandsanalyse und des Klimagutachtens. Das ökologische Gutachten steht noch aus. Die Ergebnisse sämtlicher Untersuchungen sollen in ein Gesamtgutachten einfließen. Hill betont: "Wenn dieses Gutachten zu entsprechenden Ergebnissen kommt, wird sich niemand dagegen stellen - auch wir nicht". Er stellt klar: "Wir sind keine Wutbürger und auch keine Egoisten."

Zur Fläche Fürkeltrath II nahe der A 46 bemerkt Frank Balkenhol, die dort ansässige Bio-Landwirtschaft sei "selbst schützenswert". Aufgrund der jahrelang gepflegten Böden könne man diese "nicht mal eben verlagern". Weiter führte die Tour zur Fläche Buschfeld an der Baverter Straße. Auf dem Weg durchs Haaner Gewerbegebiet bemerkt Balkenhol zum Kritikpunkt der Zersiedelung und Verdichtung des Raumes: "Haan baut die Gewerbe- und Wohngebiete bis an die absolute Stadtgrenze heran."

Das Gebiet Buschfeld wäre mit 17 Hektar brutto die größte zusammenhängende Fläche. Sie grenzt direkt an ein Landschaftsschutz- und ein Naturschutzgebiet. Ingo Hill hebt hervor, hier drohe der Schwerlastverkehr zur Belastung der Anwohner zu werden.

Dem entgegnet der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, entweder man verzichte auf die Nutzung wertvoller Flächen nahe der Autobahn, oder man weiche auf innerstädtische Flächen aus, die dann aber für mehr Verkehrsaufkommen sorgten.

Zu den Planungen für die Fläche Keusenhof in Ohligs betont Frank Balkenhol, diese sei bereits seit 30 Jahren im Regionalplan aufgenommen. Aufgrund der schwierigen Topographie sei die Fläche aber nur ein "B-Gebiet", weshalb man sich bislang nicht für die gewerbliche Nutzung entschieden habe.

(bjd)
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