Tour der Hoffnung macht Station in Solingen

Tour der Hoffnung in Solingen : Magath quält sich durch die bergischen Höhen

Zum 36. Mal findet die Tour der Hoffnung statt. Bislang fuhren die teils prominenten Fahrer 1,4 Millionen Euro für krebskranke Kinder ein.

Die vielen Schaulustigen, hauptsächlich mit kleinen und großen Foto-Apparaten ausgestattet, harrten schon weit mehr als eine halbe Stunde vor der geplanten Ankunft am Haribo-Werk aus: Schließlich hatten sich für 12.40 Uhr rund 190 Fahrradfahrer für eine etwa halbstündige Pause angekündigt. Die „Tour der Hoffnung“ machte auf ihrer insgesamt 373 Kilometer langen, fünftägigen Strecke durch Hessen und Nordrhein-Westfalen Halt in der Klingenstadt.

Nahezu pünktlich, um 12.42 Uhr, erreichten die ersten drei Radfahrer, begleitet von mehreren Polizeimotorrädern, die Wuppertaler Straße. In das Blau des Polizeilichts mischte sich rasch ein Blitzlichtgewitter, denn nur anderthalb Minuten später erreichte das Feld die Einmündung.

Wenn sich „Quälix“ selbst quält, dann wird Geld für den guten Zweck gesammelt. „Quälix“ – diesen Spitznamen hat sich Ex-Fußballprofi Felix Magath in seiner Zeit als Bundesliga-Trainer verdient. Der 66-Jährige war zum ersten Mal dabei, um Geld für krebskranke Kinder zu sammeln. Und ja, er quäle sich, wie er bei der kurzen Rast selbst zugab: „Ich fahre schön im Windschatten und extra kräfteschonend.“

Der Ex-Fußballer ist neben Ex-Boxweltmeister Henry Maske einer bekanntesten Teilnehmer der Tour, bei der einmal mehr für Forschung, aber auch Behandlung, Betreuung und Versorgung von krebskranken Kindern gesammelt wird. „Donnerstagabend hatten wir schon 1,4 Millionen Euro beisammen“, erklärte Chef-Organisator Gerhard Becker. Aktuell findet bereits die 36. Auflage statt. Satte 36 Millionen Euro spielten die wohltätigen Touren bislang ein. Im Vorjahr erhielten die begünstigten Institutionen 2,25 Millionen Euro.

Während Magath Premiere feierte, sind Udo Keck aus dem Sauerland und Rolf Nett aus dem Westerwald bereits zum 18. beziehungsweise zehnten Mal dabei. Nett: „Ich habe zwei gesunde Töchter, drei gesunde Enkel. Da sollte man sich für andere engagieren, die nicht so ein Glück haben.“ Die Fahrt nach und durch Solingen empfanden sie als anstrengend. 30 Stundenkilometer erreicht das Feld, wenn es mal länger rollt, schon gerne. Und den Berg rauf soll es immer im zweistelligen km/h-Bereich zugehen. Keck: „Hier haben wir eine ganze Menge Steigungen erlebt.“

Die machte auch Eberhard Gienger, Bronzemedaillen-Gewinner am Reck bei Olympia 1976 und CDU-Bundestagsabgeordneter, mit. Ihn empfing der örtliche Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt. Die Parteifreunde flachsten, stellten aber insbesondere den Ernst und die Wichtigkeit der Aktion in den Vordergrund. Gienger: „Für mich hat die Teilnahme Tradition. Ich fahre schon zum 33. Mal mit.“

Gienger erzählte, wie es dazu kam, dass er immer dabei ist: „Das Schlüsselerlebnis hatte ich in Ulm, als ich eine Kinderkrebsstation besucht habe. Diese Qual in den Augen der Kinder, das vergesse ich nie wieder.“ Für Gienger ist die Tour der Hoffnung fest im Kalender verankert: „Diese Woche blocke ich mir immer. Es kostet mich nichts außer etwas Zeit.“

CDU-Kollege Hardt radelte zwar nicht mit, wollte aber Präsenz zeigen: „Ich möchte damit meine Wertschätzung für diese Aktion zum Ausdruck bringen.“ Hardt erzählte, dass er seinen Vater 70-jährig durch Leukämie verloren hatte: „Daher habe ich eine ungefähre Vorstellung davon, was Krebs für Kinder bedeuten muss.“ Umso mehr freuten sich die Politiker darüber, dass die Heilungschance für Kinder mit Leukämie auf 80 Prozent gestiegen sei.

(Boll)
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