1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: Totschlagsprozess: Motiv weiter unklar

Solingen : Totschlagsprozess: Motiv weiter unklar

Der Richter runzelte die Stirn, als er am Mittwoch die Sitzung schloss. Beim Prozess gegen einen 33-jährigen Solinger wegen versuchten Totschlags am Wuppertaler Landgericht sind Fragen offengeblieben.

So zum Beispiel das Motiv für den beinahe tödlichen Messerangriff auf einen 26-Jährigen: Der Angeklagte hatte von einer familiären Auseinandersetzung gesprochen. Eine Frau aus der Verwandtschaft sei schlecht behandelt worden, darüber habe es zwischen dem Angeklagten und seinem entfernt verschwägerten Opfer Streit gegeben.

Das wurde allerdings bislang von niemandem bestätigt. Acht Zeugen, darunter der Vater und die beiden Brüder des Opfers, hatten bereits am Dienstag ausgesagt. Das Verhältnis zum Angeklagten sei immer gut gewesen, hatten alle betont. Gestern trat ein Freund des Angeklagten in den Zeugenstand.

Gemeinsam mit diesem hatte er am Tatabend Ende April jene Ohligser Gaststätte besucht, in der die unheilvollen Geschehnisse ihren Anfang nahmen. Dort habe man zusammengesessen, Bier getrunken und Karten gespielt, sagte der Zeuge aus. Wegen des Spiels habe sich der Angeklagte etwas geärgert und sei schließlich nach Hause gegangen. An einen ernsthaften Streit konnte sich der Begleiter des Angeklagten aber genauso wenig erinnern wie die übrigen Zeugen.

  • Solingen : Elf Mal mit dem Messer eingestochen
  • Solingen : Prozess um Messer-Angriff beginnt
  • Mönchengladbach : Geschlagen und erwürgt: Totschlagsprozess beginnt

Im Dunklen liegt weiter der Moment, als der 33-Jährige auf der Düsseldorfer Straße von mehreren Männern überwältigt wurde. Dabei soll der Angeklagte ein Messer gezogen und damit einen Passanten angegriffen haben. Dieser Vorfall wurde aber von einem Bekannten des Angeklagten bestritten.

Als Sachverständiger wurde auch ein Kriminaltechniker befragt. Er hatte eine Schusswaffe untersucht, die Polizeibeamte bei der Festnahme des Angeklagten sicherstellten. Nach seiner Tat hatte der 33-Jährige laut eigener Aussage seine Familie bei seinen Schwiegereltern untergebracht und die Pistole aus seinem Keller geholt. Er habe Angst gehabt, die Familie des Opfers könne sich an ihm und seinen Verwandten rächen wollen. Bei der Pistole handelt es sich um eine Schreckschusswaffe. Sie sei auf illegalem Wege zu einer kampffähigen Waffe umfunktioniert worden, sagte der Kriminaltechniker.

Am 4. Januar wird der Prozess fortgesetzt.

(ied)