Tierheim Solingen Dauergäste – darum suchen diese Tiere schon lange ein Zuhause

Solingen · Sieben Hunde, ein Kaninchen-Trio und weitere Kleintiere warten in Glüder schon länger auf ein neues Zuhause. Wir haben uns erklären lassen, wer die unfreiwilligen Dauergäste sind und warum.

Tierheim Solingen: Das sind die Dauergäste
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Das sind die Dauergäste im Tierheim Solingen

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Foto: Ines Räpple

Die Dauergäste im Tierheim Solingen warten schon deutlich länger als ihre (ehemaligen) Mitbewohner auf ein neues Zuhause – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Da sind zum Beispiel sieben Hunde, davon sechs Rüden und eine Hündin, die schon mehr als ein Jahr auf die erfolgreiche und vor allem auch dauerhafte Vermittlung hoffen. Aber auch ein Kaninchen-Trio und seit kurzem zahlreiche Wellensittiche leben in unfreiwillig lang Glüder an der Wupper. Wir haben mit Tierpflegerin Ann-Kathrin Kruska über die Hunde und Kleintiere gesprochen.

Bingo Kaum lässt sie den Griffon-Pointer-Mischling von der Leine, flitzt er freudig wie der Blitz über die Wiese vor dem Tierheim. „Er ist ein ganz netter Hund“, sagt Kruska direkt. Nur: Für die Fotos hat sie den Maulkorb weggelassen, den Bingo zum ersten Kennenlernen oder bei Spaziergängen zum Schutz der freiwilligen Helfern tragen muss. „Er ist statusaggressiv und will sozusagen alles ausdiskutieren“, erklärt Kruska. Bingo ist sehr sportlich und auch gelehrig, mit dem richtigen Training könnte er beispielsweise Agility-Training machen. „Er war schon auf einem oder zwei Seminaren mit Hundetrainern, die haben auch ihre Unterstützung angeboten.“

Bingo war bereits einmal vermittelt, hat seinem Herrchen jedoch beim Pfotenabtrocknen nach einem Spaziergang in die Hände gebissen und war nach gut zwei Wochen wieder zurück.

Man sieht bei Bingo, dass die Tierheim-Mitarbeiterin die Hunde genau kennt. Sie wünscht sich auch von Interessenten, dass der Hund erst einmal genau kennengelernt wird. „Wie reagiert der Hund, welches Verhalten löst die Aggression aus? Woanders kann sich der Hund ja ganz anders verhalten als hier bei uns.“ Den Maulkorb braucht es eben, um sich in Ruhe kennenzulernen, zusammenzuwachsen und eine Bindung zu erarbeiten. Der Mischling wurde im Januar 2021 in Spanien geboren und kam mit einem halben Jahr bereits kastriert nach Glüder.

Sam Auch der Labrador-Mix braucht ein geduldiges neues Herrchen oder Frauchen. Bei der Suche nach dem Grund für seine spontane Aggression wurde ein Problem mit der Schilddrüse entdeckt und er nimmt ein entsprechendes Medikament ein. Möglicherweise handelt es sich auch um schmerzbedingte Aggression, weil er eine beginnende Spondylose im Rücken hat. „Das ist ein langer Weg und braucht Zeit eine Bindung aufzubauen“, sagt Ann-Kathrin Kruska über Sam, der seit August 2022 im Solinger Tierheim lebt. Das klingt für ein schwer vermittelbares Tier vielleicht gar nicht so lang, aber sie wendet ein: „Das ist schon zu lang. Es müssen nur die richtigen Leute kommen, die die Kraft und den Erziehungsaufwand auf sich nehmen möchten.“

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Foto: dpa-tmn/Tobias Hase

Thibaut Auch dieser Mischling aus Griechenland ist kein Anfänger-Hund. Er sieht auf jeden Fall ungewöhnlich aus mit seinen eher kurzen Beinen und dem langen Oberkörper. Ihm machen die Hinterläufe zu schaffen und allein ob seiner Größe sollten sich seine neue Besitzer im Klaren sein, dass Hunde nicht immer so reagieren, wie man sich das vorstellt. „Hunde knurren auch mal, aber das muss man klären“, sagt Kruska. „Wenn er sein Spielzeug nicht hergeben will, ist es ja das eine. Aber was ist, wenn es irgendwann ein Giftköder ist?“

Luna Nach drei Rüden die einzige eher schwierige Hundedame aus Glüder: Die spanische Herdenschutzhündin – vielleicht mit etwas Dogge gemischt – passt gut auf ihre „Familie“ auf. „Bei anderen Hunden muss man Abstand halten, aber da kann man sie eigentlich schnell ablenken“, hat Tierpflegerin Kruska schon einen guten Tipp parat. „Ihr ist ihre Größe und ihr Charakter auch schon zum Verhängnis geworden.“ Sprich: Sie war schon als junge Hündin vermittelt, wurde der Familie aber dann doch zu groß. „Sie ist jetzt direkt so nett wie ein Golden Retriever zu jedem, das muss man sich erst erarbeiten.“

Sammy, Levi und Hanni Neben aktuell noch 23 Wellensittichen aus einer Inobhutnahme, sechs Nymphensittichen und vier Meerschweinschen leben auch 17 Kaninchen im Tierheim, die normalerweise paarweise abgegeben werden. Deren Vermittlungszeit liegt oft im Frühjahr, wenn im Garten eine Ecke für den Stall geschaffen wird. Nicht so bei diesem Trio: Rex Sammy mit seinen beiden Riesen-Mischlings-Damen Levi und Hanni werden nur zusammen vermittelt. „Wenn er nur eine Partnerin hat, dann mobbt Sammy sie“, erklärt Kruska die Konstellation. Außerdem bekommen die Kaninchen schubweise Schnupfen, der bislang aber gut mit Kräutern im Futter behandelt werden konnte. Da die drei ungefähr 15 Quadratmeter Platz brauchen, warten sie bereits länger auf ein neues Zuhause.

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