Theatergesellschaft Wohlgemuth bringt „Gute Geister“ auf die Cobra-Bühne

Theatergesellschaft Wohlgemuth : Wenn der Ghostwriter ein Gespenst ist

Die Theatergesellschaft Wohlgemuth bringt ab 3. Mai die Komödie „Gute Geister“ auf die Bühne der Cobra.

Darf man über Tote lachen? Unbedingt – wenn sie einen so trockenen englischen Humor haben wie Jack und Susie Cameron. Dabei haben der erfolgreiche Krimi-Autor und seine Frau ein nasses Ende gefunden, als sie bei einem Bootsausflug in Italien ihren Chianti im See kühlen wollten. Und dann bekannte sich Jack am Himmelstor noch zum Atheismus. Also ging es zurück zur Erde, wo die beiden sich alle Mühe geben, die Mieter ihres kleinen Landhauses zu vergraulen. Bis der Makler mit neuen Interessenten auftaucht: dem Möchtegern-Schriftsteller Simon Willis und seiner schwangeren Frau Josephine („Flic“). Da kommt bei den beiden Geistern nach und nach Sympathie auf, und sogar der Begriff Ghostwriter erhält – durch Handauflegen und Gedankenübertragung – eine wortwörtliche Bedeutung.

„Gute Geister“ lautet der deutsche Titel des Bühnenstücks „Spirit Level“ von Pam Valentine. Die erfahrene Stückeschreiberin schuf ein herrliches Wechselspiel von Dialogen, von dem die neuen Mieter zwangsläufig weniger mitbekommen als das Publikum. Ein Beispiel? Jack: „Susie, ich bin ertrunken.“ Susie: „Ja, aber sieh es mal positiv – ich bin mit dir ertrunken.“

Seit Ende Januar probt die Theatergesellschaft Wohlgemuth das Sieben-Personen-Stück. Außer den beiden Paaren und dem Makler treten noch Simons Schwiegermutter („das Biest von Basingstoke“) und ein schriller Schutzengel auf – zu Lebzeiten noch eine Chemielehrerin, bis etwas mit dem Bunsenbrenner schief ging. Am 2. Mai ist Generalprobe; am 3., 4. und 5. Mai gibt es jeweils eine Aufführung in der Cobra.

„Bei diesem Stück waren wir geteilter Meinung“, sagt Spielleiterin Rosi Müller. Bei der Theatergesellschaft lesen drei bis fünf der rund 40 Mitglieder die von den Verlagen zugeschickten Rollenbücher. Diesmal half bei der Entscheidung auch eine Duisburger Aufführung von „Gute Geister“. Weil die Duisburger nur drei Schauspielerinnen hatten, machten sie ein Ehepaar zu einem schwulen Pärchen. Müller: „Auch das war fürs Publikum nicht störend.“

Wohlgemuth kann auf rund 20 Schauspieler und Schauspielerinnen zurückgreifen. „Aber es reduziert sich stark“, bedauert die Spielleiterin. Tobias Müller und Kathrin Münch geben das tote Paar, Jan Stöcker und Sandra Horlitz das lebende. Winfried Eckert schlüpft in die Rolle des Maklers Mark Webster, während Birgit Schoening als Schwiegermutter und Elke Küller als Schutzengel auftreten. Gute zwei Stunden wird das Stück mit Pause dauern. „Wir haben etwas gekürzt“, erläutert Rosi Müller. „Es gibt unendlich lange Dialoge der Toten.“

Früher brachte die Theatergesellschaft noch drei Stücke pro Jahr auf die Bühne. Inzwischen sind es zwei, wobei eines den Kindern gewidmet ist. Diesmal wird es „Eine Woche voller Samstage“ sein. Was wörtlich zu nehmen ist: Das Stück soll vom 30. September bis zum 6. Oktober laufen. „Wir besetzen es gerade“, sagt Rosi Müller.

Die Kulissen für „Gute Geister“ werden am 1. Mai in der Cobra aufgebaut. „Wir werden sehr wahrscheinlich ohne Vorhang spielen“, kündigt Müller an. Premiere ist dann am 3. Mai um 19 Uhr.

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