1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: Terrorverdächtige vor Gericht

Solingen : Terrorverdächtige vor Gericht

Am 5. Februar soll in London den beiden Solinger Islamisten Robert B. und Christian David E. der Prozess gemacht werden. Der Bonner Anwalt Mutlu Günal hält die beiden für eher kleine Fische.

Verteidigen darf Mutlu Günal den in London inhaftierten Solinger Robert B. nicht, doch er vertritt seine Interessen wie auch die seiner Mutter Marlis, wenn es vermutlich am 5. Februar vor einem Crown Court in London zum Prozess gegen Robert B. und seinen ebenfalls aus Solingen stammenden Freund Christian David E. kommen wird. Vor dem Gerichtshof, der für besonders schwere Straftaten zuständig ist, müssen sich die beiden Solinger wegen Terrorverdachts verantworten.

Bomben-Baupläne im Gepäck

Die beiden zum Islam konvertierten jungen Männer waren am 15. Juli vergangenen Jahres bei der Einreise nach London festgenommen worden. Im Gepäck sollen der 23-jährige B. und sein 18-jähriger Freund unter anderem Anleitungen zum Bau von Bomben gehabt haben. Damit haben sie etwas getan, dass in Deutschland nicht strafbar gewesen wäre, in England wegen der wesentlich schärferen Terrorismusgesetze jedoch mit langer Haft belegt werden kann.

Und hier sieht der Bonner Strafverteidiger Mutlu Günal den Knackpunkt. Warum, so fragt er sich, wurde den beiden jungen Männern nicht wie in anderen Fällen der Reisepass abgenommen? "Dies kann in solchen Fällen angeordnet werden, wenn zu befürchten ist, dass Deutsche dem Ansehen ihres Landes im Ausland schaden", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung.

In vielen Fällen hat der unter anderem auf Staatsschutz- und Terrorismusverfahren spezialisierte Jurist solche Praxis schon erlebt. Im Fall von B. und E., so ist er überzeugt, hat der deutsche Staatsschutz die beiden jungen Männer absichtlich reisen lassen, um den Engländern die Möglichkeit zu geben, sie bei der Einreise festzunehmen und somit aus dem Verkehr zu ziehen.

Mutlu Günal hat die Interessenvertretung auch für Robert B.'s Mutter Marlis übernommen, wie er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. "Robert hat seiner Mutter gesagt, ihr Anwalt Burkhard Benecken sei schlecht für ihr Karma", schildert der Bonner Strafverteidiger.

Er selbst habe Marlis B. auch erklärt, dass der Staatsschutz den englischen Behörden vermutlich den entscheidenden Tipp gegeben habe. Man könne davon ausgehen, dass die deutschen Behörden genau informiert waren über die Aktivitäten der beiden Solinger, die im deutsch-islamischen Zentrum an der Konrad-Adenauer-Straße verkehrten. Was die beiden Solinger bei dem Prozess am 5. Februar erwartet, ist für deutsche Juristen nach Angaben von Mutlu Günal nur sehr schwer einzuschätzen. Er wolle sich da nicht an Spekulationen beteiligen, in seinen Augen seien B. und E. allerdings eher "08-15-Täter als Topterroristen", sagte der Rechtsanwalt unserer Zeitung.

Auch der Marler Strafverteidiger Burkhard Benecken vertritt nach wie vor die Interessen von Marlis B. und wird nach eigenen Angaben mit ihr nach London reisen, wenn der Prozess beginnt.

"Ich werde dafür sorgen, dass Marlis B. im Gerichtssaal sein kann, wenn gegen ihren Sohn verhandelt wird", sagte Benecken gegenüber unserer Zeitung. Auch er kann nicht einschätzen, was die beiden Solinger an Strafe erwartet, die bereits seit Juli vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzen.

Briefkontakt zum Sohn

"Ziel von Marlis B. ist es, ihren Sohn so schnell wie möglich wieder nach Deutschland zu holen", sagte der Rechtsanwalt und erklärte, dass es inzwischen auch Briefkontakte zwischen Robert B. und seiner Mutter gegeben habe. Ob auch Robert B. so schnell wie möglich wieder nach Solingen zurückkehren möchte, darüber kann nur spekuliert werden.

(RP/url)