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Tanztheater Solingen: „Meine Zeit – ein Raubtier" ein Erfolg

Theater Solingen : Die vielen Farben des Glücks

Das Tanz-Ensemble „Meine Zeit – ein Raubtier“ zeigte rasante Choreographien und pointierte Texte.

„Was macht mehr glücklich: Tiramisu oder Wackelpeter? Porsche oder Lamborghini? Große Visionen oder kleine Träume?“ Dass die Auffassungen über echtes „Glück“ weit auseinandergehen, demonstrierten die Akteure in einer Quizshow-Parodie mit ihrer aufgeregt-vielstimmigen Reaktion auf die Fragen der Moderatorin. Unter dem folgerichtigen Titel „Glück“ brachte das Tanz-Ensemble „Meine Zeit – ein Raubtier“ am Freitagabend im Pina-Bausch-Saal seine vierte Inszenierung auf die Bühne.

Und die 21 Tänzerinnen und Tänzer im Alter zwischen 55 und 72 Jahren loteten unter der Leitung von Choreograph Marcus Grolle sowie Tänzerin und Schauspielerin Renate Kemperdick alle Facetten des Begriffs aus. Da gibt es das Glück durch Erleuchtung, das jedoch meist unerreichbar ist. Oder das Glück durch materiellen Wohlstand, auf der Bühne symbolisiert durch zwei Dutzend asiatische „Winkekatzen“. Manchmal – auch das zeigte die Inszenierung – hat man eben einfach „Glück gehabt“, etwa, weil man durch Zufall oder göttliche Fügung dem sicheren Unfalltod entronnen ist. Und gelegentlich platzt das Glück wie ein Luftballon, den eine Nadel durchsticht. Stimmige Textpassagen fungierten als inhaltliche Klammer zwischen den technisch anspruchsvollen Gruppenchoreographien und individuell gestalteten Figuren der Tänzer. Deren Leistung konnte einmal mehr als Inspiration für viele Altersgenossen in der zweiten Lebenshälfte dienen, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und womöglich ungeahnte Talente zu erproben und zu formen. Musikalisch zogen sich Klassiker der 70er, den Jugendjahren vieler Tänzer – von Deep Purple, Pink Floyd oder Led Zeppelin – durch die runde Darbietung.

Veranstalter war das Kulturzentrum Cobra in Kooperation mit der Bergischen Volkshochschule und dem Kulturmanagement. Künstler und Fotograf Stephan Haeger kümmerte sich einmal mehr um Ausstattung und Projektionen. Wegen fehlender Förderung im Zuge der Haushaltssperre in Solingen konnten die Zuschauer „Glück“ nur einmal auf der Bühne bewundern – und spendeten dabei reichlich verdienten Applaus.

Die beschwingte Abschlusschoreographie unterbrachen die Akteure immer wieder, um ganz eigene und erneut vielfältige Vorstellungen vom Glück zu äußern – vom Urlaub an der Nordsee über die Geburt des Enkelkindes bis zur Stille in der sonst allzu lauten und hektischen Zeit. Die Aussage eines Tänzers zum Glück dürften aber alle Kollegen unterschrieben haben: „Wir tanzen für Euch und Ihr seid alle da!“ Gerne auch wieder im kommenden Jahr. Ab April beginnt für das Ensemble die Vorbereitung auf die nächste Aufführung im Februar 2020. Interessenten beider Geschlechter im Alter ab 55 Jahren mit oder ohne tänzerische Vorerfahrung sind aufgerufen, sich zur Gruppe zu gesellen.

Anmeldung bei der Cobra unter Telefon 331 222.