Solingen: Tanz-Premiere: "Es war einmal oder auch nicht"

Solingen : Tanz-Premiere: "Es war einmal oder auch nicht"

Nicht alles in den Lebensgeschichten, die die 23 Tänzerinnen und Tänzer erzählen, ist wahr - und dennoch sehr persönlich. "Jeder ist ein Künstler und hat etwas zu sagen", stellt Choreograph Marcus Grolle sein Credo heraus. Gemeinsam mit Renate Kemperdick leitet er das Ensemble voller Tanzbegeisterter im Alter zwischen derzeit 55 und 77 Jahren - und gibt den Akteuren viel Raum, sich selbst kreativ auszuleben. "Es war einmal oder auch nicht" heißt das dritte Werk des Theaters mit dem Namen "Meine Zeit - ein Raubtier", das am 3. Februar (19.30 Uhr) und 4. Februar (11 Uhr) im Theater zu sehen ist.

In der Inszenierung begegnen dem Zuschauer die unterschiedlichsten Biographien von Menschen aus der Klingenstadt sowie ihre Berührungspunkte zu historischen Ereignissen und berühmten Persönlichkeiten. "Wir fanden es interessant, dabei auch mal zu flunkern", verrät Grolle. Über die Beiträge der Tänzer seien ihm die Stadt Solingen und ihre Geschichte auf besonders spannende Weise begegnet, berichtet der gebürtige Bremer. "Viel tänzerische Wucht", versprechen die Choreographen den Zuschauern. Zur Seite steht dem Ensemble einmal mehr der Künstler Stephan Haeger, der die einzelnen Tänzer und ihre Erzählungen durch kleine Filme in den Mittelpunkt rückt.

Eine Vor-Premiere feierte die Produktion bereits im Dezember im Kulturzentrum Cobra. Doch auch wer damals schon zu den Zuschauern gehörte, wird bei den kommenden Vorstellungen im Pina-Bausch-Saal des Solinger Theaters wieder Neues entdecken: Denn das Ensemble habe die Inszenierung nach dem Studium der Videoaufnahmen von der ersten Aufführung noch einmal verfeinert, berichtet Grolle. Überhaupt ist das Tanztheater für Menschen ab ihrer Lebensmitte ein Ort stetiger Entwicklung, wie auch die Tänzer selbst betonen: "Man wird fitter und lernt schneller", berichtet etwa Almut Urban von den Proben. "Ich bin von Hause aus Sportlehrerin mit besonderem Bezug zum Tanzen, und für mich persönlich ist die Tätigkeit hier im Ensemble das Ultimative", schwärmt die 69-Jährige, die bereits bei den ersten beiden Produktionen des Tanztheaters mit von der Partie war. "Und ich möchte auch bei den nächsten mitwirken", stellt sie klar. In der Regel an drei Tagen pro Woche feilt das Ensemble an ihrer Choreographie. Hinzu kommen Intensivzeiten mit vier Probentagen. "Hier kann man Ausdauer, Kraft, Koordination und letztlich auch die geistige Fitness trainieren", sagt Urbans Kollegin Barbara Köchling (59), die selbst über Erfahrung als Übungsleiterin im Sportverein verfügt.

Das Resultat der Arbeit sind anspruchsvolle Darbietungen, die die Fragen nach dem Alter der Ensemble-Mitglieder belanglos erscheinen lassen. "Zumal wir heute gefühlt jünger sind als unsere Eltern in der gleichen Lebensphase", sagt Tänzer Mathias Will (59), der sich im September dem Ensemble anschloss. Als einer von drei Männern hält er dort die Stellung für das starke Geschlecht - und wirbt um mehr Zulauf: "Es macht großen Spaß, dabei zu sein."

(ied)
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