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„Tante-Emma-Laden“ hilft den Nachbarn in Solingen

Solinger Einzelhandel : „Tante-Emma-Laden“ hilft den Nachbarn

Der Lieferservice des beroma-Ladens in der Hasseldelle wird vor allem von älteren Bewohnern gut angenommen.

Seit Jahren ist er aus der Hasseldelle nicht mehr wegzudenken. Und im Mai vergangenen Jahres hat der beroma-Laden das zehnjährige Bestehen als Genossenschaft gefeiert. Durch die Insolvenz des vorherigen Trägers, zu der der beroma-Laden gehörte, drohte die Nahversorgung für die Hasseldelle zusammen zu brechen. Der Bürgerverein „Wir in der Hasseldelle“, der seit über 20 Jahren auf der Hasseldelle nicht nur integrativ tätig ist, nahm sich der Sache an. Ziel war es, den Laden zu erhalten, ohne den Verein zu gefährden, sollte das neue Geschäftsmodell „beroma“ nicht funktionieren.

Doch es funktioniert. „Unser kleiner Supermarkt ist kerngesund“, sagt der Vorsitzende der Genossenschaft, Hans-Peter Harbecke. „Wir haben alles, allerdings nicht in der Riesenauswahl wie in herkömmlichen, viel größeren Märkten“, ergänzt Harbecke mit Blick auf eine Verkaufsfläche von rund 65 Quadratmetern. Beispielhaft nennt er das Produkt Zahncreme. „Wir haben drei verschiedene Sorten, andere Märkte dagegen zehn und mehr.“

Doch für die Nahversorgung im Quartier Hasseldelle sei das Angebot mehr als ausreichend. Ohnehin sei das Sortiment für einen „dörflichen Supermarkt“ wie den beroma-Laden recht groß. Drogerieartikel und Milchprodukte sind in den Regalen zu finden, ebenso Frische-Artikel und Tiefkühlwaren, Fertiggerichte, Konserven, Getränke aller Art und vieles mehr.

Ebendies mache den „Dorfladen“ auch aus. „Der kleinste genossenschaftliche Supermarkt Solingens“, so Harbecke, gehört seit Jahren zu den wichtigsten Akteuren in der Hasseldelle. „Für viele unserer Nachbarn ist der Supermarkt ,Tante-Emma-Laden’, Post, Café und Bäcker in einem“, sagt der Genossenschafts-Vorsitzende zu den Vorzügen und ergänzt: „Hier wird geholfen und vermittelt.“ Die beroma-Genossenschaft arbeitet Hand in Hand mit dem Bürgerverein „Wir in der Hasseldelle“. „Das Konzept geht für alle Beteiligten auf. Nachbarschaftshilfe wird hier großgeschrieben“, sagt Harbecke.

Gerade in Zeiten wie diesen. Denn in der Hasseldelle leben im stadtweiten Verhältnis mehr Senioren als im Solinger Durchschnitt. Aus diesem Grund habe man immer schon viel Wert auf die Lieferung der Lebensmittel an die Kunden in der Nachbarschaft gelegt. „Es gibt genügend Nachbarn, denen es schwer fällt, Treppen zu laufen, Einkäufe zu schleppen, Getränke nach Hause zu bringen oder die sich nicht mehr sicher genug auf den Beinen fühlen“, erzählt Harbecke.

Ein Anruf im beroma-Laden genügt aber, schon kümmern sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Geschäftes an der Rolandstraße. sie nehmen die Bestellung auf, umgehend wird die Ware ins Haus geliefert. Harbecke: „Wir haben aktuell auch wegen der Corona-Krise zehn bis 20 Lieferungen am Tag.“

Darum kümmern sich neben der Marktleiterin, zwei Auszubildenden auch sechs sogenannte Ein-Euro-Jobber, die vom Jobcenter im Rahmen einer Arbeitsmarktmaßnahme in den beroma-Laden vermittelt worden sind. Überdies hat der Bürgerverein „Wir in der Hasseldelle“ zwei Leute zur Verfügung gestellt, um die Außer-Haus-Lieferung in der Zeit von 9 bis 14 Uhr zu gewährleisten. Und dieser Service sei gerade jetzt wichtiger denn je, erklärt Harbecke. Denn viele Menschen in der Hasseldelle oder im angrenzenden Erbenhäuschen seien auf sich allein gestellt, fühlen sich durch die soziale Isolation derzeit noch einsamer als schon zuvor. „Der beroma-Laden bleibt geöffnet“, lautet deshalb die klare Botschaft der Genossenschaft, „unser Team ist weiter hin für die Nachbarn da“.