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Solingen: Täglicher Überlebenskampf

Solingen : Täglicher Überlebenskampf

Sonntag wird im Kunstmuseum Solingen eine Ausstellung mit Malerei und Zeichnungen von Armin Mueller-Stahl eröffnet. Zu sehen sind über 140 Werke aus den vergangenen 30 Jahren.

Brückenschlag nennt sich ein Ausstellungs- und Kulturprojekt, das seit 1996 schwerpunktmäßig den Kulturaustausch und die Präsentation von Künstlern und Kulturthemen aus den nördlichen Bundesländern und Nordrhein-Westfalen fördert. Die Idee, einmal den Schauspieler Armin Mueller-Stahl als Maler und Zeichner vorzustellen, hatte Björn Engholm, der ehemalige Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein und langjähriger Freund des Künstlers.

Umgesetzt wurde die Präsentation, die morgen um 11.30 Uhr in Anwesenheit von Mueller-Stahl und Engholm im Kunstmuseum eröffnet wird, von der Essener Art-Consulterin Silke Nelius. "Das Kunstmuseum Solingen schien mir der geeignete Ort in Nordrhein-Westfalen für eine Ausstellung von Armin Mueller-Stahl zu sein. Mueller-Stahl musste zweimal seine Heimat aus politischen Gründen verlassen", vollzog Nelius den "Brückenschlag" zum Zentrum für verfolgte Künste in Solingen.

"Doch nicht nur aufgrund seines biografischen Hintergrundes passt Armin Mueller-Stahl in unsere Thematik hinein", erklärte Museumsleiter Dr. Rolf Jessewitsch. "Auch die Qualität der Bilder hat mich spontan überzeugt."

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Für Mueller-Stahl ist Zeichnen wie Schauspielern. Obwohl der Künstler Anfang der 50er Jahre eher aus einem pragmatischen Grund zur Bühne und zum Film gegangen ist. Es sei die schnellste Methode gewesen, "Brötchen auf den Tisch zu kriegen, die Familie zu ernähren". 1952 erhielt Mueller-Stahl nach einem Vorsprechen bei Helene Weigel in Berlin sein erstes festes Engagement: am Theater am Schiffbauerdamm. Hätte das mit dem Theater nicht geklappt, hätten wahrscheinlich die Malerei und die Musik sein Leben dominiert, so Mueller-Stahl.

Über 140 Werke aus 30 Jahren

Die Ausstellung im Kunstmuseum umfasst über 140 Werke Mueller-Stahls aus den vergangenen 30 Jahren. Viele der Bilder sind in den Drehpausen am Filmset entstanden. Das große Thema des Hollywood-Stars ist die Darstellung des Menschen. Wobei es Mueller-Stahl nie um das genaue äußere Abbild des Porträtierten geht, sondern um das Hineinmalen dessen Charakters. Der Maler und Zeichner zeigt den Menschen als Resultat des täglichen Überlebenskampfes: "Es ist ein unglaublicher Kampf, überhaupt zu überleben, und diese Kämpfe will ich in einem Gesicht sehen, weil sie jeder Mensch führt, ob schön oder nicht schön."

Mueller-Stahls Malweise ist expressiv-gegenständlich. Schönheit ist seine Sache nicht, sie muss auf der Leinwand oder dem Zeichenpapier eher zerstört werden. "Er versucht sich bei jedem Bild in den Porträtierten hineinzudenken, wie in eine Schauspielrolle", erzählt Museumsleiter Dr. Rolf Jessewitsch.

Müsste man unter den vielen Exponaten in der Ausstellung einige besonders herausheben, dann wären dies zweifelsohne die wunderbaren Zeichnungen, die aufseiten des Drehbuchs zu den "Buddenbrooks" entstanden sind. Oder die vier Bilder, die das Tanztheater von Pina Bausch zum Thema haben — darunter auch die Zeichnung "Pina Bausch ist tot" aus dem Jahr 2009.

(mit)