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Susanne Müller-Kölmel stellt im Solinger Kunstmuseum aus

Solinger Kunstmuseum : 3652 Tagesbilder an der Wand

Kleine Retrospektive der SK-Vorsitzenden Susanne Müller-Kölmel im Kunstmuseum.

(mit) Am 1. Januar 2010 gab sich die Solinger Künstlerin Susanne Müller-Kölmel selbst ein Versprechen: Jeden Tag sollte in den kommenden zehn Jahren ein kleines Bild entstehen. Dafür fertigte Müller-Kölmel Leporellos an, jedes hatte 365 kleine Seiten. „Memorial Books“ taufte die Künstlerin ihr Projekt – welches mit dem 31. Dezember 2019 seinen Abschluss fand. Besucher der Jahresausstellung haben jetzt die Möglichkeit, die Malbücher als großes Wandbild zu erleben – im über zwei Etagen reichenden Sakralraum im unteren Saal für Wechselausstellungen, den die Vorsitzende der SK mit einer große Einzelausstellung bespielt.

Denn das hat bekanntlich auch Tradition, dass eine Künstlerin oder Künstler des Vereins zeitgleich zur Jahresausstellung sich im Kunstmuseum mit einer Soloschau vorstellen darf. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Müller-Kölmel, die die Gelegenheit nutzt, in Form einer kleinen Retrospektive und unter dem Titel „all in one“ gleich mehrere Werkgruppen der vergangenen Jahre präsentiert. Darunter eben auch die wunderbaren „Memorial-Books“, deren zehn auseinandergefaltete Leporellos ein fast 5 x 5 Meter großes Wandbild ergeben. Das erst bei näherer Betrachtung seine Abstraktion verliert und den Reichtum der kleinen zeichnerischen Tagebuchnotizen – oder besser: 3652 Tagesbilder – preisgibt. Damit auch die höchsten Bildreihen betrachtet werden können, bietet Müller-Kölmel den Besuchern hierfür sogar Operngläser an.

„Eigentlich wäre ich nach unserer SK-Planung erst im kommenden Jahr mit einer Einzelausstellung dran gewesen, doch angesichts des Abschluss meines Projektes wurde ich vorgezogen“, erzählt Müller-Kölmel. Die im Kunstmuseum auch Werke etwa der Serien „Settle Down – Retreats“ und „Rest Or Run – Settle Down“ zeigt. Aus letzterer stammt auch das Bild „Come and go“ (2019), das den Gleisübergang im alten Solinger Hauptbahnhof zeigt.

Obwohl Müller-Kölmel nicht mit Werken in der Jahresschau des Vereins vertreten ist, passen einige ihrer Bilder perfekt zum Motto „sicher nicht sicher“. Denn die Künstlerin hat sich 2017 malerisch mit der Thematik Flucht, Reisen und Heimat auseinandergesetzt. So zeigt ein Bild der Reihe „Hush Or Rush“ die Innenansicht eines provisorisches Zeltes für Flüchtlinge, wie sie auch in Solingen zu finden waren.

Das faszinierende an allen Bildern ist die Tatsache, dass Müller-Kölmel ihre teilweise mit Bedeutungen und Emotionen aufgeladenen Motive nicht abbildet, sondern sie mit malerischen Mitteln neu zu erfassen versucht – und das mit großer Experimentierfreude. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (zehn Euro an der Museumskasse).