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Solingen: Streifengänge gegen Junkies in der Bücherei?

Solingen : Streifengänge gegen Junkies in der Bücherei?

Ihren Besuch in der Stadtbibliothek wird eine 76-Jährige wohl nie mehr vergessen: Erst wird sie von einer 24-jährigen Drogenabhängigen bestohlen und dann auf der Mummstraße vom Freund der Taschendiebin so schwer verletzt, dass sie mit Brüchen ins Krankenhaus muss.

Eine Gewalteskalation, die zwar aus heiterem Himmel eintrat, aber doch nicht völlig verwunderlich ist. Denn Bibiliotheksleiterin Claudia Elsner-Overberg hatte erst jüngst im Kulturausschuss berichtet, dass die Toiletten in der Bücherei bei Drogenabhängigen immer beliebter werden, um sich dort einen Schuss zu setzen. Eine Tatsache, die nicht nur ältere Kunden verängstigt, sondern auch Familien mit kleinen Kindern — und die Bibliotheksmitarbeiter selbst.

"Wir fordern schon seit langem Streetworker in diesem Bereich", sagt Grünen-Politikerin Julia Freiwald. "Aber die Verwaltung sagt immer, es werde schon alles Nötige getan." Dass Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU) jetzt die Helfer geehrt hat, die der überfallenen Seniorin und ihrem Mann zur Seite gesprungen sind, begrüßt sie. "Aber da war das Kind ja schon in den Brunnen gefallen." Es müsse mehr dafür getan werden, dass solche Taten erst gar nicht passieren. Freiwald schlägt deshalb auch mehr Aufsichtspersonal in der Bibliothek vor. "Aber keine Hilfssheriffs, die nur ihre Aggressionen loswerden wollen, sondern geschulte Kräfte." Und sie empfiehlt, das Obdachlosen-Café der Caritas neben dem Clemenszentrum bekannter zu machen. "Dann brauchen die Drogenabhängigen nicht in die Bücherei zur Toilette zu gehen."

Gerhard Metzger, stellvertretender Direktor der Caritas, glaubt allerdings nicht, dass dies den Zulauf in der Stadtbibliothek verringern wird. "Die Szene kennt alle Anlaufstellen. Bei uns kann jeder kostenlos die Toilette benutzen", sagt er. "Manche Leute kommen aber bewusst nicht zu uns, weil sie nicht auf ihr Problem angesprochen werden wollen." In der Bücherei würden ihnen keine Fragen gestellt.

Nach Auskunft von Stadtsprecherin Sabine Rische wird die Situation in der Stadtbibliothek Thema beim nächsten Treffen von Polizei und Ordnungsamt im Rahmen der Ordnungspartnerschaft sein. "Dann werden die Experten überlegen, ob zum Beispiel präventive Streifengänge wieder aufgenommen werden sollten."

(RP)