Solingen: Straßenschlacht mit Salafisten

Solingen : Straßenschlacht mit Salafisten

Nach Provokationen rechter Aktivisten und massiven Ausschreitungen radikaler Islamisten haben starke Polizeikräfte die Salafisten-Moschee gestern erneut durchsucht. 81 Festgenommene wurden wieder freigelassen.

Einen Tag nach den schweren Ausschreitungen durch Salafisten kehrte der Alltag gestern nur langsam in die Nordstadt zurück. "Es ist schlimm, dass so etwas hier passieren konnte", sagte einer der zahlreichen Geschäftsleute von der Konrad-Adenauer-Straße, während die Polizei einige Meter weiter die Durchsuchung der Millatu-Ibrahim-Moschee fortsetzte. Mit Kreissägen und Bohrmaschinen rückten gestern Vormittag Beamte in die Hinterhofmoschee ein, deren Eingang von mehreren Uniformierten mit Maschinengewehren gesichert wurde.

81 Salafisten waren am Dienstag zwischenzeitlich in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie Polizisten mit Steinen und Fahnenstöcken angegriffen hatten. Bei den schlimmsten Ausschreitungen in Solingen seit dem Brandanschlag von 1993 wurden drei Beamte und ein Passant verletzt, sagte später eine Polizeisprecherin. Die Feuerwehr war darüber hinaus mit Rettungskräften ausgerückt, um zwölf leicht verletzte Demonstranten vor Ort zu behandeln.

Von weit her angereist

Die radikalen Muslime waren aus ganz Deutschland nach Solingen gekommen, um bei einer kurzfristig angemeldeten Demonstration gegen die rechte Partei Pro NRW zu protestieren, die ihrerseits Karikaturen des Propheten Mohammed zeigte. "Die Salafisten stammten unter anderem aus Hamburg und Offenbach", sagte gestern ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal unserer Zeitung. Unter den Festgenommenen, darunter viele deutsche Staatsbürger, befanden sich auch die beiden Solinger Konvertiten Robert B. und Christian David E., die im Frühjahr in England wegen Terrorunterstützung zu Haftstrafen verurteilt worden waren, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Bei den Krawallen nicht dabei war der österreichische Hassprediger Mohammed M. Wie das hessische Innenministerium gestern unserer Zeitung bestätigte, hat sich M., der in seiner Heimat eine vierjährige Haftstrafe abgesessen hat, vergangene Woche aus Deutschland abgesetzt. M. war zuvor im hessischen Erbach gemeldet, aber immer wieder — zuletzt im April — in Solingen aufgetaucht. Schließlich hatten die hessischen Behörden entschieden, M. innerhalb eines Monats auszuweisen.

Die festgenommenen Salafisten sind allesamt wieder auf freiem Fuß. Auf viele von ihnen warten nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren.

(RP/jco)