Solingen: Stolperstein für Dorper Pfarrer

Solingen: Stolperstein für Dorper Pfarrer

Seit 1943 gilt Dr. Fritz Wieter als vermisst. Er war bereits zum Pfarrer in Dorp gewählt worden, konnte sein Amt jedoch nie antreten. Ein Stolperstein erinnert jetzt an Wieter.

dorp 78 Stolpersteine gibt es nun in Solingen. 13 von ihnen wurden gestern an insgesamt zehn Orten in der Klingenstadt von dem Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt. Sie sollen an den letzten Ort erinnern, an dem das jeweilige Opfer des Nationalsozialismus, dem sie gewidmet sind, freiwillig lebte. Es schneit ununterbrochen, als Gunter Demnig vor der Dorper Kirche ein paar Steine des Gehweges entfernt. Vorsichtig schafft er einen ebenen Untergrund und setzt die Steine teilweise wieder ein. Dazwischen kommt der eigentliche Stolperstein. Der zehn mal zehn Zentimeter messende Betonblock wird von einer glänzenden Messingplatte abgeschlossen. Darauf ist unter anderem zu lesen: „Hier wohnte Dr. Fritz Wieter.“

Während der Verlegung verliest Pfarrerin Andrea Zarpentin feierlich die Vita des Pastors. Friedrich Wieter wurde 1907 in Wiedenbrück geboren. Er wuchs in Gütersloh auf. 1935 bekleidete er sein erstes Pfarramt im oberbergischen Odenspiel. Er war ein entschiedener Anhänger der Bekennenden Kirche und setzte sich mutig für das Notkirchenrecht ein. Doch die Kirchenleitung war zu dieser Zeit bereits mit Mitgliedern der vom Staat anerkannten „Deutsche-Christen-Kirchen“ besetzt. Dr. Fritz Wieter lehnte unermüdlich den Kontakt und die Zusammenarbeit mit dem rheinischen Konsistorium ab, das als staatlich kontrollierte Behörde die Verwaltung sämtlicher kirchlicher Angelegenheiten überprüfte.

Zum Verhängnis wurde dem Pfarrer aber das illegale Sammeln von Kollekten zur Unterstützung der Arbeit der Bekennenden Kirche. Im Oktober 1937 nahm ihn das Amtsgericht Bonn deswegen in Untersuchungshaft. Zwar kam Dr. Fritz Wieter frei, jedoch überfiel ein Nazi-Trupp in der Nacht vom 6. auf den 7. November das Pfarrhaus. Wieter wurde als „Jude“ und „Judenknecht“ beschimpft, bedroht und das Pfarrhaus verwüstet. Bürgermeister und Gendarmeriewachtmeister holten Pfarrer Wieter aus dem Haus. Er kam unter brutalen Bedingungen in Haft, aus der man ihn wenige Tage später entließ und aus dem Regierungsbezirk Köln auswies.

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Nach einer Zwischenstation landete der von den Nazis Verfolgte in der Bekenntnisgemeinde Solingen-Wald, wo er auch lebte. Seine Hoffnungen, jemals wieder in seine Heimat zurückkehren zu dürfen, wurden enttäuscht. Solidarisch jedoch wählte die Gemeinde Solingen-Dorp ihn zum Pfarrer. Seinen Dienst konnte Dr. Fritz Wieter nie antreten. Er wurde von der Wehrmacht einberufen. Seit dem 5. Mai 1943 gilt er in Italien als vermisst.

„Eigentlich hätte sein Stolperstein an seinem Wohnort in Wald stehen sollen, doch wir finden, es ist ein schönes Zeichen, ihn an dem Ort seines Schaffens zu verewigen“, sagt Andrea Zarpentin. „Nun wird allen Passanten bewusst, was für ein mutiger Mann hier wirkte, der seinen Glauben nie zu verraten bereit war.“

(RP)
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