Solingen: Stillstand im O-Quartier lähmt Stadtteil

Solingen: Stillstand im O-Quartier lähmt Stadtteil

Der Widerstand gegen den geplanten Bau eines Einkaufszentrums auf dem ehemaligen Olbo-Gelände ist groß. Bei einer Podiumsdiskussion wurde deutlich: Die Ohligser wollen ihren Stadtteil anders stärken.

Vier Jahre nach seinem ersten Besuch in Ohligs kann Dr. Holger Pump-Uhlmann kaum glauben, was er zu sehen bekommt: einen riesigen Schuttberg, der seit Monaten unberührt auf dem ehemaligen Olbo-Gelände lagert. "So etwas habe ich in dieser Form noch nirgends gesehen", sagt der bundesweit tätige Stadtplaner. "Wenn hier nichts passiert, passiert auch im ganzen Stadtteil nichts." Mit seiner Aussage hat Pump-Uhlmann den rund 300 Zuhörern bei der Podiumsdiskussion der "Ohligser Jongens" in der Festhalle aus dem Herzen gesprochen.

Als die Planungen zur Bebauung der Fläche zwischen Aachener Straße und Heiligenstock im Jahr 2001 konkreter wurden, hat der Architekt bereits die Risiken eines "O-Quartiers" im Bezug auf den Einzelhandel und die Fußgängerzone genannt. In seiner Einschätzung fühlt er sich bestätigt, wenn er die aktuelle Entwicklung betrachtet: "Das Zentrum fängt leicht an zu implodieren. In der Mitte sind die attraktiven Geschäfte, an den beiden Enden jedoch bröckelt es."

Ganz besonders im Bereich des Ohligser Marktes, wo seit Jahren die große Globus-Verkaufsfläche auf ihre Reaktivierung wartet. "Es gibt Interessenten, und der Eigentümer wäre bereit zu investieren - aber erst, wenn klar ist, was mit dem O-Quartier passiert", weiß "Jongens"-Mitglied Dr. Peter Wacker. Neben Pump-Uhlmann, Langenfelds ehemaligen Bürgermeister Magnus Staehler und Solingens Stadtdirektor Hartmut Hoferichter hätte der Moderator der Veranstaltung gerne auch die Gräfin von Thun und Hohenstein Veit in der Runde begrüßt, doch die Investorin hatte abgesagt.

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"Dass sich seit drei Jahren, als das Baurecht erteilt worden war, nichts tut, nervt alle." Hartmut Hoferichter machte gute Miene zur unbefriedigenden Situation, in der die Stadt tatenlos zusehen muss, weil das Rückkaufsrecht für das Grundstück im Vertrag fehlt. "Vor einem Monat ist aber ein Großteil der Unterlagen für den Bauantrag eingereicht worden." Wie den Ohligsern ist auch der Verwaltung die Schutthalde ein Dorn im Auge, weswegen ein Anhörungsverfahren läuft. "Sollte sich auch in den kommenden Wochen nichts tun, wird es in ein Ordnungsverfahren umgewandelt."

Die Stimmung in der Festhalle machte deutlich: Der Widerstand gegen den geplanten Bau des O-Quartiers ist groß. Geht es nach den Ohligsern, solle der Investor unter Druck gesetzt werden, um das Grundstück wieder zu verkaufen. Der Tenor: Ohligs benötigt einen Lebensmittel-Vollsortimenter und vielleicht noch ein Textil- und ein Sportgeschäft - mehr nicht. "Manchmal ist weniger mehr", lautete ein weiteres Urteil von Holger Pump-Uhlmann, der statt des Einkaufscenters mehr Wohnraum auf dem Olbo-Gelände unterbringen würde. Genau das, was der Plan B der Stadt Solingen vorsieht.

(gra)
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