Szene: Steigende Besucherzahlen im Getaway

Szene : Steigende Besucherzahlen im Getaway

Seit der Bekanntgabe der Schließung sind die Veranstaltungen in der Ohligser Diskothek wieder besser besucht.

Diese Nachricht traf viele Solinger im November bis ins Mark: Nach 39 Jahren schließt das Getaway - die einzige Diskothek der Stadt - Ende Februar für immer. Die Endgültigkeit der Entscheidung scheint das Feiervolk wachgerüttelt zu haben, wie Geschäftsführer Jürgen Ries verrät: "Wir haben 20 bis 25 Prozent mehr Besucher pro Öffnungstag." An der Schließung ändert diese späte Bekenntnis zur Kult-Diskothek nichts.

Das Getaway ist seit Jahrzehnten der Inbegriff des Solinger Nachtlebens. 1979 wurde es in Glüder eröffnet, zwei Jahre später übernahm Ries das Kommando. Seit Anfang der 90er-Jahre hat der Club seine Heimat in der ehemaligen Brauerei Beckmann an der Kottendorfer Straße. Im Februar läuft der Pachtvertrag aus - auf eine Verlängerung konnten sich die Beteiligten nicht einigen. Zudem kommen Ries zufolge schlicht nicht mehr genug Besucher, damit sich das Modell Diskothek rechnet.

Seit bekannt ist, dass im "Get" die Lichter ausgehen, kommen die Besucher plötzlich wieder in Scharen. Sogar am Heiligabend - traditionell ein gut besuchter Termin - war es noch voller als gewöhnlich. Gleiches gilt für die zahlreichen anderen Partys. "Es kommen immer häufiger Leute, die inzwischen weiter weg wohnen, früher aber bei uns gefeiert haben", stellt Ries fest. Ärgert es ihn, dass Solinger und Ex-Solinger ihre Liebe zum Getaway wiedergefunden haben, wo die Schließung beschlossene Sache ist ? Ries: "Nein, nicht unbedingt. Denn ich weiß ja, wie es ohne die Ankündigung gelaufen wäre." Er bleibt dabei: Die Location ist zu groß und zu teuer für das Ausgehverhalten der Menschen. Immer mehr Diskotheken kämpfen mit sinkenden Besucherzahlen. Würde er die Schließung rückgängig machen, da ist sich Ries sicher, gingen die Zahlen auch wieder zurück.

Viel Zeit zum Abschied nehmen, hat Ries nicht. Der 60-Jährige sagt zwischen Aufräumen des Lagers und Vorbereiten des Kneipentrödels: "Ich bin ein kleiner Sammler". An den beiden kommenden Donnerstagen haben Interessierte deshalb noch die Möglichkeit, interessante Überbleibsel aus fast 40 Jahren Getaway-Geschichte zu erwerben. Der Kneipentrödel beginnt jeweils um 17 Uhr und endet gegen 22 Uhr.

Für die Mitarbeiter der Disco stehen in den kommenden Wochen viele letzte Male an. Zeit, in Ruhe Abschied zu nehmen, fehlt Jürgen Ries allerdings derzeit. "Es bleibt kaum Spielraum, um das Ganze zu realisieren. Momentan ist es eher noch richtig stressig", erklärt er. Kein Wunder: Sein Telefon steht dieser Tage kaum still. "Alle wollen wissen, wie es genau weitergeht oder wann die letzte Party ist, damit sie sich Urlaub nehmen können."

Beantworten kann er all die Fragen noch nicht. Sicher ist: Im Januar finden alle Partys wie gewohnt statt. Im Februar stehen bisher nur die Termine des ersten Wochenendes fest: die Reggae Reunion am 2. Februar und die Charts-Party tags drauf.

Über den Plan für das Karnevalswochenende sowie eine Abschiedsparty informiert Ries auf der Homepage des Getaways. Wie diese Abende ablaufen könnten, möchte er noch nicht verraten. Auch seine persönliche Zukunft ist noch nicht geklärt. "Ich werde nicht in Rente gehen - dafür liefen die letzten zehn Jahre einfach zu schlecht."

(RP)