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Starkregen in Solingen: Feuerwehr im Dauereinsatz

Einsatzkräfte sprechen von „Jahrhunderthochwasser“ : Solinger Senior stirbt in den Fluten

Rettungskräfte im Dauereinsatz. Oberbürgermeister Tim Kurzbach erklärt: „Unsere Heimatstadt ist von einer großen Katastrophe heimgesucht worden.“

In Solingen gibt es nach den sintflutartigen Regenfällen ein Todesopfer zu beklagen. Ein 82 Jahre alter Mann ist nach einem Sturz im überfluteten Keller seines Hauses gestorben. Bei dem Sturz sei er mit dem Kopf unter Wasser geraten, sagte eine Sprecherin der Wuppertaler Polizei am Donnerstag. Nach Angaben der Stadt Solingen war der Mann aus einem Kellerschacht gerettet und zunächst wiederbelebt worden. Er sei nach dem Transport ins Krankenhaus gestorben.

Die Einsatzkräfte in Solingen haben in den vergangenen Stunden etwa 130 Menschen im Stadtgebiet aus akuter Not vor dem Hochwasser gerettet. Das sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Donnerstag. „Wir haben die Menschen über Drehleitern, Boote, Bojen herausgeholt. Es war alles improvisiert.“ In zwei Situationen hätten sich Einsatzkräfte zudem auf Tanklöschfahrzeugen in Sicherheit bringen müssen.

Die Einsatzkräfte sprechen nach den starken Regenfällen in Solingen nach Angaben eines Stadtsprechers von einem „Jahrhunderthochwasser“. „Unsere Heimatstadt ist von einer großen Katastrophe heimgesucht worden“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). „Dieses Ausmaß an Überflutung ist nicht mehr zu bekämpfen. Das Wasser ist stärker.“ Kurzbach hatte am Morgen den besonders betroffenen Stadtteil Unterburg besucht. Die dortige Lage beschrieb er als „bedrohlich und beängstigend“.

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In der Nacht sind laut Feuerwehrsprecher etwa 300 Kräfte im Einsatz gewesen, viele von ihnen mehr als 30 Stunden am Stück. Am Donnerstagmittag waren etwa 110 Kräfte nach einer kurzen Pause mit weiteren Arbeiten beschäftigt. 250 Einsätze seien bereits abgearbeitet worden - 200 seien aber noch offen.

120 Menschen seien über Nacht von der Stadt untergebracht worden, sagte der Leiter des Krisenstabes, Jan Welzel. Der Stadtteil Unterburg bleibe vorerst gesperrt. Auch Strom und Gas seien noch abgeschaltet, auch in Verteilstationen seien durch das Hochwasser Schäden entstanden.

 Ein Mann beobachtet das Hochwasser.
Ein Mann beobachtet das Hochwasser. Foto: dpa/Gianni Gattus

Ziel sei es, die Menschen sukzessive wieder in ihre Wohnungen zurückzulassen, wenn diese sicher seien und trockenen Fußes erreicht werden könnten. „Einsturzgefährdete Häuser können wir nicht ausschließen“, sagte Welzel. Er bat die Menschen zudem um Geduld. „Es wird Tage, möglicherweise auch Wochen dauern, bis wir einen bestimmten Zustand wieder erreicht haben.“

Unterdessen meldet die Stadt Solingen, dass als erste Verbindung in Richtung Leichlingen ab sofort die Wupperbrücke Balkhauser Weg wieder freigegeben wird. In diesem Bereich ist das Wasser auf dem Rückzug. Das Bauwerk wurde bereits kontrolliert und gereinigt, umgestürzte Bäume auf der Zufahrt wurden entfernt.

 Landunter in Unterburg.
Landunter in Unterburg. Foto: dpa/Gianni Gattus

Der Starkregen und das Hochwasser von Wupper und Eschbach wirken sich auch auf die Abfallentsorgung aus, teilen die Technischen Betriebe Solingen mit. Zu Einschränkungen kommt es vor allem in den unmittelbaren Tallagen entlang der Wupper. Die Grünschnittsammlung ist zunächst bis Samstag eingestellt. Auf diese Weise können Fahrzeug, Container und Personal zur schnellen Hilfe in Unterburg eingesetzt werden und Anwohner können ersten Sperrmüll umgehend entsorgen. Sobald die Zufahrt nach Unterburg wieder offen ist, werden die Technischen Betriebe dort weitere Container zur Entsorgung aufstellen.

Restmüll-, Bio-, gelbe und blaue Tonnen werden im Stadtgebiet grundsätzlich nach Plan geleert. Wenn Straßen überflutet oder Brücken unpassierbar sind und Entsorgungsfahrzeuge ihr Ziel nicht erreichen können, können betroffene Haushalte bei der nächsten regulären Leerung einen blauen Sack dazustellen.

Die Sperrmüllsammlung wird wie angekündigt fortgesetzt, soweit es die aktuelle Situation vor Ort erlaubt. Zudem können alle kostenfreie Sonderabholungen von Sperrgut anmelden (E-Mail: sperrmuell@solingen.de; Telefon: 0175-322391; montags bis freitags zu den üblichen Öffnungszeiten, samstags 10-17 Uhr). Die Abholtermine werden kurzfristig per Telefon oder E-Mail bekanntgegeben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Lage in Solingen nach dem Starkregen

(or/dpa/red)