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Solingen: Stadtwerke vor Strategiewechsel

Solingen : Stadtwerke vor Strategiewechsel

Auf der heutigen Bilanzpressekonferenz werden die Solinger Stadtwerke einen dicken Gewinnrückgang bekannt geben. Mit dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Krause von den Grünen rechnen viele damit, dass der Weg in Richtung Erneuerbare Energien geht.

Die einen sind der Meinung, die Wahl des Grünen-Fraktionssprechers Manfred Krause an die Spitze des Stadtwerke-Aufsichtsrates ist den bevorstehenden Betriebsratswahlen bei den SWS geschuldet; die anderen reden von einem nun möglich gewordenen Wechsel in der Strategie des Solinger Versorgungsunternehmens. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus beidem.

Geplatzte Fusionsträume

Klar ist aber eines: Wenn SWS-Chef Andreas Schwarberg heute die Geschäftszahlen für das Energie-Jahr bekannt gibt, das bis zum 30. September lief, wird er – wie bereits berichtet – einen heftigen Gewinneinbruch vermelden müssen. Den SWS macht unter anderem die schlechte wirtschaftliche Lage der Solinger Industrie zu schaffen und die damit verbundenen drastischen Rückgänge bei der Energieabnahme. Und dann liegen in diesem Geschäftsjahr auch gleich noch zwei geplatzte Fusionen: der Rheinisch-Bergische Stadtwerke-Verbund sowie die geplante gemeinsame Netzgesellschaft mit Remscheid.

Und so stehen die SWS derzeit allein auf weiter Flur. Rund um Solingen haben sich Stadtwerke mit großen Energieversorgern vernetzt, Fusionen sind entstanden. Geht es nach dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Krause, sind die Fusionsträume aber endgültig ausgeträumt. Die SWS seien in ihrer Größe überlebensfähig und müssten auch den Wettbewerb nicht scheuen, das zeigten die vielen kleineren süddeutschen Stadtwerke, schrieb Krause in einer Pressemitteilung, als die SWS vor kurzem ihre Gewinnwarnung bekannt gaben. Konkreteres war ihm gestern mit Hinweis auf die Fraktionssitzung der Grünen am Abend nicht zu entlocken.

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Reiner Kirchner, der für die SPD im SWS-Aufsichtsrat sitzt, legt indes den Finger in die Wunde: "Wir verkaufen Strom, produzieren aber kaum welchen selbst. Das reicht nicht, um auf Dauer den Verlust auszugleichen, der im öffentlichen Personennahverkehr entsteht." Schon jetzt steht fest, dass die städtische Beteiligungsgesellschaft für das abgelaufene Geschäftsjahr rund 1,8 Millionen Euro wird dafür zuschießen müssen. Die SWS sind an dem Gas- und Dampf-Kraftwerk in Hamm-Uentrop beteiligt, aber dort werden gerademal etwa 13 Prozent des in der Klingenstadt verbrauchten Stroms produziert.

In "Green Gecco" eingekauft

In der Nachbarstadt Remscheid haben sich die dortigen Stadtwerke (EWR) in das Projekt Green Gecco, ein Netzwerk von 40 Stadtwerken unter Federführung des Essener Energiekonzerns RWE, eingekauft. Bis 2010 wollen die EWR zehn Millionen Euro einbringen. Insgesamt sollen bei Green Gecco bis 2012 400 Millionen Euro investiert werden, bis 2020 sogar eine Milliarde Euro.

Mit den Investitionen soll nach und nach ein Pool von zahlreichen Erzeugungsanlagen in den Bereichen Biomasse, Windkraft, Geothermie und Biogas entstehen. Bedingung: Alle Projekte sollen eine Rendite von mindestens sieben bis acht Prozent bringen. Für EWR-Chef Dr. Thomas Hoffmann eine realistische Gewinnerwartung; das sah auch die Politik so und segnete – mit den Stimmen der Remscheider Grünen – das Geschäft im November im Stadtrat ab. Den Einstieg der Ratinger Stadtwerke in dieses RWE-Projekt haben die dort im Rat sitzenden Grünen jedoch kritisiert, sie wollen eine Produktion von erneuerbaren Energien bevorzugt in der Region. So sollen bei Green Gecco rund 36 Millionen Euro in einen Offshore-Windpark nach Schottland fließen.

(RP)