Stadtwerke Solingen setzen auf Gaskraftwerk

Kohleausstieg : Stadtwerke Solingen setzen auf Gaskraftwerk

Der kommunale Energieversorger setzt perspektivisch auf Erneuerbare Energien. Zurzeit beträgt der Anteil des Stroms aus Kohlekraftwerken noch 23 Prozent. Der SWS-Aufsichtsrat fährt Anfang März zur Klausurtagung nach Aachen.

Die Stromkunden in der Klingenstadt sollen nicht befürchten müssen, demnächst im Dunkeln zu sitzen. Und geht es nach den Stadtwerken Solingen (SWS), werden auch die Energiepreise für Privatverbraucher und Unternehmen nach der Empfehlung der Kohlekommission zum Ausstieg aus der Kohle – zumindest erst einmal – nicht steigen. Das hat SWS-Geschäftsführer Andreas Schwarberg am Montag betont.

„Es ist das erklärte Ziel der Kommission, mögliche Preissteigerungen abzufedern“, sagte Schwarberg auf Anfrage unserer Redaktion. Wobei die Stadtwerke selbst bereits angefangen haben, Vorkehrungen zu treffen, um ihrerseits mit den Änderungen im Zuge der Energiewende klarzukommen. So kündigte der SWS-Geschäftsführer jetzt an, das Trianel-Gaskraftwerk im westfälischen Hamm, an dem die Stadtwerke beteiligt sind, in den nächsten Jahren wieder stärker als bislang hochzufahren.

Augenblicklich ist das 2007 eröffnete sowie aus zwei Blöcken bestehende Gas- und Dampfkombinationskraftwerk im Hammer Stadtteil Uentrop aufgrund der Marktsituation nicht in der Lage, oberhalb der Fixkostengrenze zu arbeiten. Im Klartext: Mit dem hochmodernen Kraftwerk lässt sich schon seit längerer Zeit dauerhaft kein Geld verdienen.

Weswegen die Anlage ab Sommer 2015 nur noch im Rahmen der sogenannten optimierten Betriebsweise produzierte, also lediglich an den Tagen lief, an denen ein ausreichend hoher Börsenstrompreis zu erzielen war. Seit 2016 konnte das Kraftwerk dann tageweise auch wieder im Grundlastbetrieb betrieben werden.

Allerdings geht Andreas Schwarberg nun davon aus, dass diese mageren Zeiten bald vorbei sind. „Demnächst könnten wir bei den Fixkosten wieder über der Nulllinie stehen“, sagte der SWS-Geschäftsführer am Montag. Und ab 2022 / 23 wäre es zudem denkbar, wieder in die Gewinnzone zu gelangen, betonte Schwarberg, der sich wie SWS-Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Krause wünschen würde, dass das Gaskraftwerk „noch einmal eine Chance erhält“.

Im Jahr 2017 machte der Gasanteil an den Gesamtstromlieferungen der Stadtwerke Solingen gerade einmal fünf Prozent aus. Der Kohleanteil lag hingegen bei 23 Prozent, derweil die Erneuerbaren Energien auf über die Hälfte, nämlich 64 Prozent, kamen. Mit sieben Prozent ist aber auch noch Strom aus Atomkraftwerken dabei.

„Unsere Strategie ist perspektivisch auf Erneuerbare Energien ausgerichtet“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Krause. Das Ratsmitglied der Grünen begrüßte den jetzt gefundenen Kohlekompromiss und den damit verbundenen Kohleausstieg. Stadtwerke-Kunden könnten zudem schon heute sogenannten Ökostrom (Ökoplus) gegen Aufpreis vom örtlichen Energieversorger beziehen, der aus 100 Prozent Erneuerbaren Energien stamme.

Krause kündigte im Gespräch mit unserer Redaktion an, Anfang März mit dem Aufsichtsgremium der Stadtwerke Solingen zu einer Klausurtagung zur Trianel GmbH nach Aachen zu fahren. Der klingenstädtische Energieversorger ist mit mehreren anderen Stadtwerke an dem Unternehmen beteiligt. „Wir wollen dort Perspektiven im Energiebereich diskutieren. Thema wird bei der Klausurtagung auch der Kohleausstieg sein“, sagte Manfred Krause.

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