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Stadtradeln 2020 in Solingen: Stadtradel-Stars verzichten aufs Auto

Stadtradeln 2020 in Solingen : Motiviert bis in die Pedale

Die Stadt Solingen ist vom 7. bis 27. September bei der Aktion „Stadtradeln“ dabei. Bislang sind 409 Teilnehmer in 73 Teams registriert – darunter Morgenpost-Regionalchef Guido Radtke, der in dem Zeitraum aufs Auto verzichten wird.

Sturmtief Kirsten lässt mich nun doch etwas zweifeln. Bei diesem starken Wind und den angesagten Regenschauern wäre ich an diesem Morgen nicht auf die Idee gekommen, mit dem Fahrrad in die Redaktion zu fahren. Ab 7. September allerdings wäre das Auto dann keine bequeme Alternative. Ich habe mich hochmotiviert entschlossen, drei Wochen lang bei der Aktion „Stadtradeln“ mein Benzin schluckendes Fortbewegungsmittel auf vier Rädern nicht zu bewegen. Deswegen darf ich mich offiziell zum kleinen illustren Kreis der sogenannten „Stadtradel-Stars“ zählen, die sich drei Wochen lang nur per Fahrrad, Pedelec oder zusätzlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen.

Voriges Jahr war die Stadt Solingen zum ersten Mal bei der deutschlandweiten Klimaschutz-Aktion dabei. Auf Anhieb gelang eine beachtliche Bilanz: 841 aktive Teilnehmer in 92 Teams haben knapp 160.000 Kilometer zurückgelegt und so schätzungsweise 22 Tonnen Kohlendioxyd vermieden, die bei der Nutzung eines Autos mit Verbrennungsmotor angefallen wären.

Einen Teil dazu beigetragen hat auch unsere Hofschaft. Es war kaum Überredungskunst oder Überzeugungsarbeit notwendig, um fünf Familien als Team „Trochbusch“ beim „Stadtradeln“ zu vereinen. Wir alle waren vor einem Jahr so fleißig unterwegs, dass wir einen für uns stolzen Platz in den Top 50 erreicht haben. Es gab interne Wettkämpfe beim Kilometer sammeln, aber auch das Gemeinschaftserlebnis einer Radtour von und nach Düsseldorf. Beim Belohnungsgetränk am Etappenziel auf dem Carlsplatz wurde einstimmig beschlossen: 2020 ist Team „Trochbusch“ in gleicher Stärke wieder dabei.

Ich wäre bei der Stadtradeln-Premiere gerne häufiger mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren, habe mich jedoch zu oft von der Wettervorhersage oder aus Bequemlichkeit davon abhalten lassen. In knapp zwei Wochen gibt es dann keine Ausreden mehr, wenn ich mich der Herausforderung stelle, dem einen oder anderen Pfund sowie dem inneren Schweinehund den Kampf anzusagen – und zugleich einen kleinen Beitrag fürs Klima leisten zu können.

Die Auswirkungen der Corona-Krise haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich in den jüngsten sechs Monaten vermehrt in die Pedale getreten habe. Fahrrad fahren war anfangs in erster Linie Ersatz für die früh abgesagte Saison im Basketball, wo ich regelmäßig als Schiedsrichter sportlich aktiv bin. Mit jeder Tour kehrte die Leidenschaft zurück, mit der ich als Jugendlicher in die Pedale getreten habe. Der Super-Sommer hat sein Übriges getan.

Mit jeder Steigung, die ich ohne größere Mühe bewältigte, und mit jeder zurückgelegten längeren Strecke, die ich ohne Muskelkater und die bekannten Radfahrer-Popo-Schmerzen hinter mich brachte, reifte die Entscheidung, beim „Stadtradeln“ aufs Auto zu verzichten. Nebenbei möchte ich erwähnen, dass ich ganz ohne elektronische Unterstützung auf einem rund 20 Jahre alten Gefährt – in bestem Zustand – nur mit Muskelkraft unterwegs bin.

Dabei weiß ich ganz genau, welche Herausforderungen neben der unberechenbaren „bergischen Sonne“ warten. Der kontinuierliche Anstieg von Ohligs in die Solinger Innenstadt etwa. Der aber ist im Vergleich zur Strecke über Oberburg oder Preyersmühle nach Wermelskirchen ein Klacks. Der Weg hierhin in die Redaktion lässt sich zum Glück mit der S-Bahn 7 per Fahrradmitnahme und ab Lennep über die Balkantrasse etwas bequemer gestalten. Nach Hause geht’s ab 7. September in jedem Fall stets auf zwei Rädern – wenn mich ein Sturmtief nicht auf der meist ebenen und zudem leicht abschüssigen Strecke ausbremst.

Zur Person Guido Radtke (49), Leitender Regionalredakteur der Solinger Morgenpost / Bergischen Morgenpost, berichtet in den kommenden Wochen regelmäßig vom Stadtradeln.