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Solingen: Stadtgeschichte bewusster machen

Solingen : Stadtgeschichte bewusster machen

Die Designerin Daniela Tobias hat einen Flyer und eine Internetpräsenz zum jüdischen Friedhof am Estherweg gestaltet. Den pflegen die Schüler der Alexander Coppel-Gesamtschule seit fast 30 Jahren.

Manche Gruppen reisen aus Schweden, Belgien oder sogar Brasilien und den Vereinigten Staaten an, um die Gräber ihrer Vorfahren zu besuchen. Innerhalb Solingens jedoch sei der jüdische Friedhof am Estherweg vielen gar nicht bekannt, sagt Daniela Tobias. Die Designerin hat einen Flyer mit 2500 Exemplaren und eine Website mit Informationen über die Begräbnisstätte entwickelt, um die Bevölkerung noch stärker auf dieses Zeugnis jüdischen Lebens in der Klingenstadt aufmerksam zu machen.

"Besonders den Internetauftritt finde ich sehr bedeutsam, weil viele Enkel auf der Suche nach ihren Nachfahren dieses Medium nutzen", erklärt Tobias. Gerade für Verwandte früherer Solinger Juden in Übersee sei es wichtig, dass die Texte der Website auch ins Englische übersetzt würden. Zur Thematik hat die Designerin einen persönlichen Zugang: 2011 begann sie, über den jüdischen Großvater ihres Ehemanns zu forschen.

Initiator der Informationsoffensive war die Städtische Gesamtschule an der Wupperstraße, die seit kurzem - in Anlehnung an den sozial engagierten jüdischen Unternehmer - Alexander Coppel-Gesamtschule heißt. Deren Schüler kümmern sich im Rahmen einer Patenschaft seit 1987 um die Pflege des Friedhofs - "freitags nach dem Unterricht in ihrer Freizeit", wie Michael Sandmöller, Leiter der "AG Jüdischer Friedhof", betont.

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Insgesamt 300 Gesamtschüler, von der 6. Klasse bis zur Oberstufe, haben bereits an der Begräbnisstätte Efeu geschnitten, Blumen gepflanzt und Grabsteine gesäubert. "Einige Arbeiten, die wir nicht ausführen können, übernehmen Mitarbeiter der Neue Arbeit Ittertal", erklärt Sandmöller. Zudem gehören zu den Aktivitäten der AG Korrespondenzen mit den Nachkommen ehemaliger Solinger Juden.

Zweimal jährlich bietet Sandmöller öffentliche Führungen über den Friedhof an - die nächste am kommenden Sonntag. Private Gruppen und Schulklassen können darüber hinaus Termine für Führungen vereinbaren. "Insgesamt kommen so im Verlauf eines Jahres etwa zehn Führungen zusammen", berichtet Sandmöller.

In diesem Jahr werden es auf jeden Fall mehr sein: Denn am letzten Schultag vor den Herbstferien werden acht Gruppen den jüdischen Friedhof besuchen. "Im Rahmen eines Projekttages wollen wir unseren Schülern das Thema näherbringen", kündigt Schulleiter Andreas Tempel an.

Die Umbenennung der Schule bezeichnet er als "ganz bedeutsame Sache": Die Solinger Familie Coppel habe ihren Reichtum stets als Verpflichtung verstanden. Der neue Namensgeber Alexander Coppel als jüngster Nachfahre des Unternehmers Gustav Coppel war 1942 im Ghetto Theresienstadt, offenbar an den Folgen von Hunger und Entkräftung, gestorben.

(ied)